Donnerstag, 27. Februar 2014

Dornenherz – Jedem Ende wohnt ein Anfang inne von Jutta Wilke



erschienen bei Coppenrath

„Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein. Obwohl ich in sicherer Entfernung stand, das offene Grab nur von Weitem sah, fühlte ich, wie die feuchte Erde mich nach und nach einhüllte. Wie ich nach und nach unter ihr verschwand und mit mir meine Träume, meine Sehnsüchte, meine Wünsche.
Heute vor einem Jahr haben sie meine Schwester begraben. Und mich gleich dazu.“ (Klappentext)

Das Cover dieses Buches ist unheimlich schön und wirkt durch die gedeckten Farben und die Engelsstatue sehr geheimnisvoll. Das Buch besitzt einen transparenten Schutzumschlag. Aber auch ohne Umschlag sieht das Buch sehr schön aus. Die Geschichte wird in der ersten Person geschildert.

Annas Schwester Ruth starb vor einem Jahr. Seitdem ist nichts mehr, wie es mal war. Anna ist nicht mehr die, die sie einmal war. Sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nicht zuletzt dadurch, dass sie sich die Schuld am Tod ihrer Schwester gibt. An Ruths erstem Todestag entdeckt Anna eine alte Leidenschaft von sich wieder: das Zeichnen. Anstatt mit ihrer Familie auf den Friedhof zu gehen, schnappt sie sich ihren Skizzenblock und fährt mit ihrem Fahrrad zu einem anderen Friedhof um endlich wieder zu zeichnen. Dort fällt ihr eine schwarze Katze auf, die ihr einen Weg zurück ins Glück zeigen kann…


„Dornenherz“ startet mit dem Klappentext des Buches als Einleitung, was ich sehr passend fand. Der Leser wird sofort mit Annas Unsichtbarkeit ihren Eltern, aber auch Mitschülern gegenüber konforntiert. Genauso wie mit ihren Schuldzuweisungen. Nicht zuletzt dadurch wurde Anna für mich zu einer sehr sympathischen Protagonistin, mit der ich mitleiden konnte. Durch die unterschwelligen Bemerkungen ihrer Eltern ist es kein Wunder, dass Anna sich nur noch wie „zweite Wahl“ und damit eher ungeliebt fühlt. Sie verzichtet auf ihr eigenes Glück, nur um es anderen Menschen Recht zu machen. Anna hat den großen Drang, niemanden enttäuschen zu wollen.
Die kursiv gedruckten Abschnitte verwirrten mich anfangs etwas, da es auch eine frappierende Namensgleichheit zwischen dem Damals und dem Heute gibt. Doch als ich dann reinkam, flutschte die Story nur so. Mit der Zeit klären sich die Zusammenhänge der verschiedenen Abschnitte.
Zu Anfang eines jeden Kapitels von heute gibt es noch einen Gedichtauszug, der sich auf Rosen bezieht. Gefiel mir sehr gut.
Die Beziehung zwischen Anna und dem ehemaligen Freund ihrer Schwester fand ich doch ziemlich bizarr. Schon etwas merkwürdig, wie die Schwestern augenscheinlich nur „ausgetauscht“ werden… Leon war mir auch nicht sonderlich sympathisch. Er wirkte sehr selbstsüchtig.
Phil dagegen ist ein absoluter Sympathieträger, den man als Leser sofort ins Herz schließen sollte.
Die Botschaft ist etwas, was mir sehr an der Story aufgefallen ist. Jeden Tag treffen wir alle hunderte von Entscheidungen. Jede dieser Entscheidungen zieht Konsequenzen nach sich. Die Frage ist doch einfach, ob wir mit den Konsequenzen umgehen und leben können.

Wie soll irgendjemand etwas verstehen, was ich selbst nicht verstehe?
Seite 74

Wenn du morgen sterben müsstest, was würdest du dann heute tun?
Seite 170/171

Jutta Wilke hat mit „Dornenherz – Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ einen sehr schönen Roman mit kleinen Geheimnissen, einer schönen und etwas verzwickten Liebesgeschichte, aber vor allem mit einer wichtigen Message erschaffen. Der Leser merkt, dass sich Frau Wilke mit der betriebenen Recherche viel Mühe gegeben hat, um Einzelheiten authentisch darstellen zu können. Der flüssige Schreibstil der sympathischen Autorin sorgte bei mir für einen Lesegenuss auf höchstem Niveau. Das Buch ist ein absoluter Pageturner, den ich innerhalb kürzester Zeit in mein Regal stellen konnte. Obwohl ich es schnell durch hatte, hinterlässt es einen bleibenden Eindruck bei mir, und ich vergebe sehr gerne überaus verdiente 5 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


Jutta Wilke, geboren 1963 in Hanau am Main, wollte während der Grundschulzeit zunächst Zoodirektorin werden. Der heiß ersehnte Bio-Unterricht auf dem Gymnasium erwies sich jedoch als todsterbenslangweilig. Den Zoodirektor hakte sie deshalb ab. Dafür begeisterten sie Bücher immer mehr. Und das Schreiben erst recht.
Völlig aus Versehen studierte sie nach dem Abitur allerdings Jura. 1988 machte sie zunächst das erste Staatsexamen und heiratet noch im gleichen Jahr. 1991 folgen dann das zweite Staatsexamen und eine Ausbildung zur Fachanwältin im Familienrecht.
Sie bekommt fünf Kinder, arbeitet 12 Jahre als Anwältin, wird geschieden bis schließlich das Gefühl kommt: Es reicht. Sie will endlich das machen, was sie am besten kann: Schreiben.

So erscheinen 2008 erste Veröffentlichungen kleiner Auftragsarbeiten. Sandmännchen, Adventskalender und Geschenkbüchlein. Nebenher arbeitete sie an ihrem ersten Roman, der schließlich 2011 im Coppenrath Verlag erschien.

ab 14 Jahre
224 Seiten
ISBN 978-3-649-61370-1
Preis: 14,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

Zu guter Letzt möchte ich mich noch ganz herzlich bei Lovelybooks, Jutta Wilke und dem Verlag bedanken, dass ich bei dieser tollen Leserunde dabei sein durfte!

Kommentare:

  1. Das hört sich toll an, werde ich mir auf jeden Fall mal merken ;)

    GLG Aleshanee

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    1. Ich denke, Du wirst es nicht bereuen:) War wirklich sehr toll!

      LG

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  2. Das hatte ich auch schon ins Auge gefasst und nun noch mehr! =)

    Außerdem habe ich einen Tag für Dich! =D

    http://katiesfanstasticdystopia.blogspot.de/2014/02/tag-time-das-beste.html

    Ich hoffe Du machst mit. :)

    Katie♥
    von
    Katies fantastische Bücherwelt

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