Freitag, 28. März 2014

Das Mädchen mit dem Haifischherz von Jenni Fagan



erschienen im Kunstmann Verlag

Anais Hendricks ist fünfzehn und sitzt auf dem Rücksitz eines Polizeiautos. Ihre Schuluniform ist blutverschmiert, und am anderen Ende der Stadt liegt eine Polizistin im Koma. Doch Anais kann sich da an nichts erinnern. Jetzt ist sie auf dem Weg ins Panoptikum, eine Besserungsanstalt für schwer erziehbare Jugendliche, die für das Waisenkind am Ende einer langen Kette von Heimen und Pflegefamilien steht. Das Panoptikum, ein ehemaliges Gefängnis im Niemandsland der Provinz, scheint wie gemacht für Anais, die mittlerweile sowieso denkt, sie sei ein Experiment, das Objekt einer Reihe von Versuchen, die zeigen sollen, wann ein Mensch zerbricht. Während Anais mit ihrer schwierigen Vergangenheit ringt und sich mit Mut und Fantasie durch ein Fürsorgesystem boxt, das ihr einen Schlag nach dem anderen versetzt, findet sie in den anderen Jugendlichen des Panoptikums fast so etwas wie eine Familie. Eine Familie, die sich ihre eigenen Mythen und Legenden schafft und deren Bande stärker sind als das System, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Es sei denn, du hast ein Haifischherz und Freunde, die dir helfen, ihm zu folgen ... (Klappentext)

Das Cover dieses Buches ist ein wahrer Blickfang. Es ist bunt, wimmelt nur so von Motiven und wirkt sehr jugendlich frisch. Die Protagonistin in einem offenen Haifischmaul darzustellen finde ich sehr gelungen. Ebenso ist die Rückseite des Schutzumschlages schön gestaltet, nicht so bunt, aber durch das Auge wird auch diese Seite zum Hingucker. Im Buchdeckel sind vorne wie hinten lauter Haifischzähne abgebildet und jeweils ein knallrotes Herz. Unbeschreiblich schön und fantasievoll! Die Story erstreckt sich auf 38 Kapitel, die in der ersten Person geschildert werden.

Anais ist auf dem Weg zu der Besserungsanstalt Das Panoptikum. Nicht ihr erster Umzug. Anais hat bis jetzt ein schweres Leben hinter sich. Sie wird von Pflegefamilie und Heimen immer munter umhergereicht. Nun steht Anais mit ihren 15 Jahren unter Verdacht, eine Polizeibeamtin ins Koma befördert zu haben. Ob es wirklich wahr ist – keiner weiß es und Anais selbst hat keine Erinnerung mehr an den Vorfall. Ist Das Panoptikum vielleicht endlich ihre Rettung?


Ich habe mich aufgrund des Covers sofort in dieses Buch verliebt und war sehr gespannt. Die Geschichte machte auf mich den Eindruck, mal etwas Anderes zu sein. Dem war auch tatsächlich so…
Anais ist ein 15jähriges Mädchen, das ich so noch nicht erlebt habe. Sie raucht, hat wahllos Sex, nimmt Drogen – kein Wunder, dass da schon in dem Alter so einige Straftaten auf ihr Konto gehen. Es werden teilweise sehr komplizierte Gedankengänge der Protagonistin aufgezeigt, die es mir schwer machten, einen Kontakt zu ihr herzustellen. Ich will nicht sagen, dass sie mir unsympathisch war, aber als meine Tochter oder Freundin meiner Tochter möchte ich sie auch nicht wirklich haben. Klar, Anais hat es in ihrem Leben nicht gerade leicht gehabt, aber dieses für mich total abgedrehte und verkorkste Mädchen und die vorherrschende Fäkalsprache haben mich ziemlich schnell genervt und an meine Grenzen der Toleranz gebracht.
In diesem Buch werden schwerwiegende Themen wie Gewalt, Prostitution, Drogenhandel und –mißbrauch aufgeführt, die den Leser die Story schwer verdauen lassen. Die ganze Zeit beim Lesen habe ich eine unendliche Trostlosigkeit verspürt, die es mir sehr schwer machte, weiter zu lesen.
Zudem fand ich das Ende leicht unglaubwürdig, nicht richtig passend zur vorangegangenen Geschichte.

Jenni Fagan hat mit „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ einige schwierige Themen in das Leben eines fast zerstörten Mädchens gebracht. Der Schreibstil war sehr gewöhnungsbedürftig und teilweise etwas wirr. Die Idee hinter der Story ist etwas Anderes, das auf jeden Fall neugierig macht. Wer vor ungeschönter und sehr ehrlicher Sprache keine Hemmungen verspürt, wird seine wahre Freude an diesem Buch haben. Ich persönlich konnte damit nicht wirklich viel anfangen und vergebe für die Idee und dieses einmalige Cover noch 2 von 5 schwarzen Katzen.


Jenni Fagan wurde in Livingston, Schottland, geboren und studierte Creative Writing an der Greenwich University. Sie veröffentlichte bisher Gedichte und Kurzgeschichten, für die sie zahlreiche Preise und Stipendien bekam. "Das Mädchen mit dem Haifischherz" ist ihr erster Roman, der für verschiedene Preise, darunter den renommierten James Tait Black Memorial Prize, nominiert wurde und ihr einen Platz auf der legendären Granta Liste »20 under 40«, der zwanzig besten englischsprachigen Schriftsteller unter 40, einbrachte.
Seit Herbst 2013 ist Jenni Fagan Writer in Residence an der Edinburgh University.


ISBN 978-3-88897-925-5
Preis: 19,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für dieses Rezensionsexemplar bedanken!

Kommentare:

  1. Oh, schade, dass es doch nicht ganz so toll war. Hatte das Buch ja schon in Augenschein genommen, aber jetzt wird es erstmal nach hinten geschoben.
    Trotzdem schöne Rezi und gerade das Ende muss halt stimmen.
    Schlechte Abschlüsse können richtig weh tun. ;-)

    Liebe Grüße
    Katrin

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    1. Ja, das stimmt mit dem Ende. Sowas geht gar nicht:( Den ein oder anderen Liebhaber wird dieses Buch sicherlich finden, aber ich gehöre definitiv nicht dazu.

      LG

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