Donnerstag, 27. März 2014

Phantasmen von Kai Meyer



erschienen bei Carlsen

Eines Tages tauchten sie aus dem Nichts auf – die Geister der Toten. Millionen auf der ganzen Welt, und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich.
An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Frauen auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Rain hofft, die Begegnung wird ihrer Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen.
Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger, ist auf seinem Motorrad nach Spanien gekommen, um ein letztes Mal seine große Liebe Flavie zu sehen.

Dann erscheinen die Geister.
Doch diesmal lächeln sie.
UND ES IST EIN BÖSES LÄCHELN.
(Klappentext)

Das Cover dieses Buches hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es ist sehr minimalistisch gestaltet worden. Manchmal ist weniger eben mehr. Das Motiv stellt die Geister dar, die natürlich auch auf dem Cover nicht fehlen dürfen. Die Darstellung erinnert mich an eine Wolkenformation. Die Story beinhaltet vier Teile, insgesamt 53 fantastische Kapitel und wird aus der Sicht von Protagonistin Rain erzählt.

Rain möchte mit ihrer jüngeren Schwester Emma von ihren Eltern Abschied nehmen. Sie sind vor drei Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und werden nun, 18 Monate nach dem Tag Null am 17. Mai, als Geister an der Absturzstelle erscheinen. Eine gute, wenn auch traurige Gelegenheit für die Schwestern. Die Geister erscheinen tatsächlich, aber dann geht Merkwürdiges vor: sie fangen plötzlich an zu lächeln und Rain weiß, dass sie Emma und sich schnellstens vor den Geistern in Sicherheit bringen muss…


Vorneweg möchte ich sagen, dass „Phantasmen“ für mich das erste Buch von Kai Meyer gewesen ist. Aber sicherlich nicht das letzte! Von der ersten Seite an hat mich der Autor derart mitreissen können, dass ich alles um mich herum vergessen habe. Passiert mir eher selten.
Die Kapitel sind eher kurz gehalten, was mir prinzipiell sehr gut gefällt. Zudem endet fast jedes mit einem kleinen Paukenschlag, so dass es einem schwer fällt das Buch auch mal beiseite zu legen. Der Leser wird sofort in die Welt von Rain und Emma geworfen, die auf dem Weg in die Wüste Spaniens sind. Beide Mädchen empfand ich als sympathisch und authentisch. Rain ist mit ihren roten Dreadlocks das komplette Gegenteil von ihrer Schwester Emma.
Tyler, der norwegische Biker war mir ebenfalls nicht unsympathisch. Doch bei allen drei Protagonisten habe ich eine gewisse Distanz empfunden. Obwohl einiges aus ihrem Leben erzählt wird, hatten sie mir nicht genug Tiefe in ihrer Persönlichkeit.
Die komplette Darstellung der Geister fand ich sehr fantastisch – im wahrsten Sinne des Wortes. Geister, die stumm und bewegungslos an ihrem Todesort dastehen, nur das Gesicht stets der Sonne zugewandt. Eine wirklich tolle Idee! Zudem ein wirklich unheimliches Szenario, da die Situation sehr aussichtslos auf den Leser wirkt. Wo soll man noch hingehen, wenn alles von Geistern praktisch überrannt wird?
Der Autor hat eine fast durchgehende Spannung erschaffen, die mir außerordentlich gut gefallen hat. Eine für mich unerwartete Wendung ungefähr 100 Seiten vor Schluss brachte noch zusätzliche Würze rein. Die unheimlichen und mysteriösen Elemente jagten mir kleine Schauer über den Rücken.
Je mehr es auf das Ende der Story zuging, umso weniger hatte ich eine Idee, wie es aussehen könnte. Doch leider hatte es dann für mich nicht den erhofften „Wow-Effekt“, sondern wirkte eher etwas flach und einfach.

Kai Meyer hat mit diesem Endzeit-Roman ein großartiges Werk kreiert, das mich kaum losgelassen hat. Das nahezu perfekte Zusammenspiel zwischen Geistern und Menschen in einer absolut kargen und trostlos gewordenen Welt faszinierte mich mit jedem Kapitel. Trotz kleinerer Kritikpunkte und einem Ende, das nicht zu 100% meine Erwartungen erfüllt hat, vergebe ich an dieser Stelle sehr gute 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.

Mein großer Dank gilt Kai Meyer für das Entführen in diese andersartige Welt, aus der ich kaum wieder auftauchen wollte!

Kai Meyer, geboren 1969, hat über fünfzig Romane veröffentlicht, darunter zahlreiche Bestseller, und gilt als einer der wichtigsten Phantastik-Autoren Deutschlands. Seine Werke wurden als Film, Comic und Hörspiel adaptiert und in mehr als dreißig Sprachen übersetzt.
www.kaimeyer.com

ab 14 Jahren
400 Seiten
ISBN 978-3-551-58292-8

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

Kommentare:

  1. Huhu =)
    Sehr schöne Rezi. =) Für die vollen 5 Sternchen hat´s ja bei mir auch nicht gereicht, aber ist schon nah dran gewesen! ^_^
    Die Atmosphäre die Kai Meyer geschaffen hat, fand ich einfach gigantisch.♥

    Ganz liebe Grüße
    Katrin♥
    von
    Katies fantastische Bücherwelt

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    1. Danke, Katie!
      Ja, er war wirklich sehr knapp davor. Und die Atmosphäre hat mir auch total gut gefallen:)

      LG

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  2. Waah, das klingt wirklich gut, so anders und spannend :-) Schade, dass der "Wow"-Effekt am Ende ausbleibt, aber ich glaube, auch so dürfte das Buch richtig gut sein. So geht es mir bei den Büchern von Eschbach oft auch, die Story ist richtig genial, das Ende aber oftmals etwas unbefriedigend. Aber ich werd mich einfach selbst davon überzeugen :-)
    Liebe Grüße

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    1. Ja, mach das unbedingt! Es ist wirklich ein sehr, sehr tolles Buch. Vielleicht hast Du zu dem Ende ja auch eine andere Meinung:)

      LG

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  3. Huhu Claudi,
    mhm...schwierig, schwierig! Geister reißen mich nun nicht wirklich vom Hocker und wenn dir auch schon der Wow-Effekt gefehlt hat, warte ich lieber auf das nächste Buch von ihm ;)
    Hab noch einen schönen Abend!
    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Hey, Steffi!
      Ja, ich denke, dann hat das für Dich keinen Zweck. Geistergeschichten sollte man in diesem Fall wirklich schon mögen:)

      LG und einen guten Start ins Wochenende!

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