Sonntag, 27. April 2014

Die letzte Jüdin von Würzburg von Roman Rausch



erschienen bei Rowohlt

Straßburg 1349: Als eine der wenigen aus der jüdischen Gemeinde entkommt die junge Jaelle lebend einem Pest-Pogrom. In Männerkleidern rettet sie sich nach Würzburg, wo sie den Berater des Bischofs kennenlernt, den mächtigen Michael de Leone. Der findet Gefallen an dem jungen „Johan“ und nimmt ihn in seine Dienste.
Rabbi Moshe, Haupt der jüdischen Gemeinde, wittert eine Chance. Mit Jaelle hätte er Augen und Ohren an den Entscheidungen des Bischofshofs. Er ahnt: Dort wird ein ungeheurer Komplott gegen die Juden geschmiedet. Widerstrebend lässt sich Jaelle auf den gefährlichen Auftrag ein, eigentlich hat sie anderes im Sinn. In Würzburg sollen ihre letzten Verwandten leben. Sie macht sich auf die Suche.
Und deckt ein sorgsam gehütetes Geheimnis auf. (Klappentext)

Das Cover dieses Buches ist so, wie ich es bei einem historischen Roman erwartet habe. Es spiegelt die Zeit perfekt anhand des Motivs wider. Die Farben sind nicht knallig, sondern eher sehr schlicht gewählt. Die Geschichte besteht aus dem Prolog, 32 Kapiteln und dem Epilog.

Die Juden sollen die Pest ausgelöst haben. Ihnen wird zur Last gelegt, dass sie durch die Brunnen das Trinkwasser vergiftet haben. Eine wirklich schreckliche Vorstellung.
Jaelle ist eine 17jährige Jüdin, die 1349 nur knapp einen Pogrom überlebt. Ihr Vater stirbt dabei. Für Jaelle gibt es nur die Möglichkeit zur Flucht aus Straßburg: Sie macht sich als Mann verkleidet auf den Weg nach Würzburg, wo sie die Hilfe von Michael de Leone in Anspruch nimmt. Doch es gibt auch andere, die „Johan“ gerne als Doppelagenten sehen würden. Wie geht Jaelles/Johans Leben weiter? Wird sie ihr Glück in Würzburg finden? Wird sie überleben?


Für mich war „Die letzte Jüdin von Würzburg“ ein kleines Experiment, da ich vorher noch keinen historischen Roman gelesen habe. Was ich jetzt schon sagen kann: Das Experiment ging nicht nach hinten los! Aber lest selbst:
Jaelle ist in meinen Augen ein sehr tapferes und starkes junges Mädchen, das in ihrem Alter viel mitgemacht hat. Sie muss mitansehen, wie ihr Vater stirbt. Wieder ein sinnloser Tod auf der Liste der Volksverhetzung. Doch anstatt sich gehen zu lassen, sich Zeit zum Trauern zu nehmen, verkleidet sich Jaelle als Mann (ist auf Reisen wesentlich ungefährlicher) und nimmt so ihr Schicksal selbst in die Hand. Hat mir gut gefallen.
Die Judenverfolgung wird von dem Autor sehr authentisch und auch grausam dargestellt. Grausamkeit, die sicherlich so stattgefunden hat. Für meinen Geschmack war dies stellenweise etwas zuviel, so dass ich einige Passagen überblättern musste.
Die eingestreuten Informationen über die Juden und ihre Verfolgung/Ermordung hat Roman Rausch sehr informativ gestaltet. Keinerzeit kam während des Lesens Langeweile auf. Die Informationen und auch die historischen Hintergrundfakten wirkten keineswegs oberlehrerhaft. Man konnte sich gut darauf einlassen und somit das eigene Wissen stellenweise noch erweitern.

Wer nicht weiß, woher er kommt, weiß nicht, wohin er geht. Und damit weiß er auch nicht, wer er ist.
Seite 11

Roman Rausch hat mich mit seinem Roman „Die letzte Jüdin von Würzburg“ in eine Zeit entführt, die an Grausamkeit und Unvorstellbarkeit kaum zu überbieten ist. Er hat lebendige und authentisch wirkende Charaktere erschaffen, die es dem Leser leicht machen, mit ihnen zu leiden und zu zittern. Wer bei der doch stattlichen Seitenanzahl Langeweile vermutet, wird überrascht sein. Die Story fliegt nur so dahin. Ein Buch, das auf Grund seines ernsthaften Themas sehr zum Nachdenken anregt.
Ich vergebe für diesen Roman 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


Roman Rausch, 1961 in Würzburg geboren, arbeitete nach dem Studium der Betriebswirtschaft im Medienbereich und als Journalist. Für seine Trilogie um den Kommissar Johannes Kilian wurde er 2002 auf der Leipziger Buchmesse mit dem Book on Demand Award ausgezeichnet. Heute lebt er als Autor und Schreibcoach in Würzburg und Berlin.
Mehr über den Autor und sein Werk: www.Roman-Rausch.de

512 Seiten
ISBN 978-3-499-26803-8
Preis: 9,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

Ich möchte mich noch recht herzlich beim Verlag für dieses Rezensionsexemplar bedanken!




Kommentare:

  1. Das hört sich ja richtig gut an!
    Noch keine historischen Romane gelesen? Dann solltest du unbedingt die von Rebecca Gablé lesen, vor allem die Waringham Saga, am besten in der richtigen Reihenfolge, die sind erstklassig!

    LG Aleshanee

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    1. Ja, der Ausflug war mal nicht schlecht:) Rebecca Gablé behalte ich mal im Auge, aber komplett mein Genre wird es wohl nicht werden. Abwarten;)

      LG

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