Freitag, 9. Mai 2014

Bittere Lügen von Karen Perry



erschienen im Scherz Verlag

In Sekundenbruchteilen liegt ihr Leben in Schutt und Asche. Harry und Robin haben bei einem schrecklichen Erdbeben ihren dreijährigen Sohn Dillon verloren. Auch fünf Jahre später überschattet der unfassbare Verlust, das Gefühl der Ohnmacht und Schuld jede Minute ihres Zusammenlebens. Bis zu dem kalten Wintertag, als Harry denkt, Dillon in Dublin auf der Straße gesehen zu haben. Seither ist er von dem Gedanken besessen, dass sein Sohn noch leben könnte. Und er ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen, um die ganze Wahrheit ans Licht zu bringen. Mit unvorstellbaren Folgen … (Klappentext)

Das Cover dieses Buches wirkt düster und leicht mysteriös. Der Titel ist in goldenen Buchstaben geprägt, die weiteren Farben sind ein sehr dunkles Blau und Grau. Die Vögel und der Baum verleihen dem Mysteriösen großen Ausdruck. Die Story besteht aus dem Prolog und 20 Kapiteln.

Harry und Robin machen das Schlimmste durch, was Eltern passieren kann: Sie verlieren ihren dreijährigen Sohn Dillon bei einem Erdbeben in Tanger. Kurz nach dieser Tragödie kehren die beiden nach Irland zurück. Während Robin versucht, Dillons Tod zu akzeptieren, lebt Harry immer mehr in der Vergangenheit. Es ist schon fast eine Manie bei ihm, dass er glaubt, Dillon könnte noch am Leben sein. Neues Futter bekommt der Gedanke, bis Harry eines Tages einen Jungen in einer Menschenmenge entdeckt, der Dillon zum Verwechseln ähnlich sieht…


Das Buch startet mit einem für mich sehr mitreissenden Prolog. Er schildert die Ereignisse jenes Abends sehr eindrücklich. Dies animierte mich zum Weiterlesen.
Doch dann empfand ich die Story an sich als etwas zäh, emotionslos und mir fehlten ausserdem die Thrillerelemente.
Mit Protagonist Harry wurde ich die ganze Geschichte über nicht warm. Er wirkte auf mich von Schuldgefühlen zerfressen, was durchaus nachvollziehbar ist. Doch diese Einsicht und vielleicht vage Verständnis für Taten, die das Unglück nicht gerade begünstigten, kam für mich viel zu spät. Harry sucht seine Erfüllung im Alkohol (ein sehr großes Thema in diesem Buch), greift zu drastischen Mitteln bei der Schlaflosigkeit seines dreijährigen Sohnes (mein Mutterherz kochte schon über vor Fassungslosigkeit und Wut) und stürzt sich lieber in eine Affäre, anstatt sich mit der Realität auseinander zu setzen. Hätte Harry persönlich vor mir gestanden, wäre unsere Unterhaltung weniger nett geworden! Weiterhin sieht er Dillon nur als vermisst, nicht als tot. Er wirkt geradezu verbissen. Harry ist sehr ich-bezogen und vergisst die Welt um sich herum aus den Augen. Zeitweise wirkt dies lächerlich, da er ja auch kein Grünschnabel  mehr ist, sondern doch schon ein gestandener Mann von 36 Jahren.

Sie war verfügbar.
Seite 62

Robin dagegen versucht nach vorne zu schauen, die unabänderliche Tatsache von Dillons Tod zu akzeptieren, beginnt sogar in Irland ein neues Studium und sieht sich plötzlich großem Glück gegenüber. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht, doch die Story ist nicht nur das, was der Klappentext beinhaltet. Sie stellt sogar eine Neuigkeit über dies, wie ich finde. Nach und nach merkt der Leser, dass nicht nur Harry seine Geheimnisse hat, sondern auch Robin.
Cosimo gefiel mir ebenfalls nicht. Er ist ein aalglatter Typ, der seine Mitschuld an gewissen Dingen einfach herunterspielt und dabei noch sehr herablassend wirkt.

Es war ein Bild der Verzweiflung.
Seite 80

Das Autorenduo Karen Gillece und Paul Perry konnten mich mit ihrem gemeinsamen Debüt nicht richtig überzeugen. Mir fehlten die tiefgehenden und vielleicht auch tränenreichen Szenen, die ich mir bei der Thematisierung eines solchen Unglücks vorgestellt hatte. Die Protagonisten waren für mich trotz ausführlicher Rückblenden nicht richtig greifbar, drifteten eher ins Unsympathische ab. Einige Szenen und Verhaltensweisen von Harry empfand ich nur als lächerlich und nicht im Mindesten nachvollziehbar. Zudem kommt noch die Vorhersehbarkeit einiger Elemente, die mich sehr störte. Das Ende der Story war mir persönlich etwas zu merkwürdig und hinterließ ein großes Fragezeichen auf meinem Gesicht.
Ich vergebe für „Bittere Lügen“ 2 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


Karen Perry – hinter diesem Namen verbergen sich die Autoren Karen Gillece und Paul Perry. Karen und Paul stammen beide aus Dublin, wo sie auch heute mit ihren Familien leben. ›Bittere Lügen‹ ist ihr erster gemeinsamer Roman.

400 Seiten
ISBN 978-3-651-00066-7
Preis: 14,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars und die damit verbundene Leserunde bei Lovelybooks bedanken!

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