Samstag, 12. Juli 2014

Schlaf nicht ein von Michelle Harrison



erschienen im Loewe Verlag

Du siehst nachts die Geister von Toten.
Du bist ihnen hilflos ausgeliefert.
Und einer der Toten will deine große Liebe für sich.
Du musst etwas tun – und du bist ganz allein.

Seit Monaten versucht Elliot, sich mit allen Mitteln wachzuhalten. Denn nachdem er bei einem Unfall für einige Minuten klinisch tot war, passieren schaurige Dinge mit ihm, während er schläft: Er kann sich nicht rühren, spürt Schatten, die sich um ihn herum bewegen, oder er wandelt durchs Haus, während sein Körper schlafend im Bett liegt. Als er sich in Ophelia verliebt, wird es noch unheimlicher: Offenbar versucht ein Toter, Besitz von Elliots Körper zu ergreifen …
(Klappentext)

Das Cover dieses Buches ist wieder einmal etwas ganz Besonderes. Der Schutzumschlag ist transparent, was ich ja sehr gerne mag. Das Motiv ist allerdings - ob mit oder ohne Umschlag - bis auf den Titel dasselbe: Eine wahrscheinlich männliche, schemenhafte Gestalt in einem Wald. Der Hintergrund ist in verschiedenen Blautönen und weiß gehalten, der Titel in einem Lilaton. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Elliott geschildert.

Elliott ist nicht mehr der Alte. Seit einem Unfall vor einigen Monaten geschehen merkwürdige Dinge. Nachts kann er nicht mehr in Ruhe schlafen. Er verlässt seinen Körper und sieht tote Menschen. Menschen, die anscheinend keine Ruhe finden können. Eines Tages bewirbt er sich auf eine ausgeschriebene Stelle als Museumsführer. Doch dies ist kein normales Museum. Es handelt sich um Past Lives, ein Freilichtmuseum, das als Dorf angelegt wurde. Past Lives ist einer der berüchtigsten Spukorte Großbritanniens…


Der Leser steigt unmittelbar in die Geschichte von Elliott ein. Es beginnt mit einer Nacht, in der er erneut seinen Körper unbewusst verlässt und eine tote Frau in der Badewanne sieht. Schon etwas gruselig. Nach relativ kurzer Zeit erfährt der Leser auch schon von Elliotts Unfall, nach dem er fast zwei Minuten klinisch tot war. Seither geschehen diese ausserkörperlichen Erfahrungen mit ihm.
Der Schreibstil gefiel mir sehr gut, er ist leicht zu lesen, die Sätze sind nicht zu lang und ausschweifend. Die Autorin hat eine gruselige, schon fast beängstigende Atmosphäre erschaffen, die mich zeitweise bei hochsommerlichen Temperaturen frösteln ließ. Negativ fiel mir eine Szene im ersten Teil des Buches auf, die sich, meiner Meinung nach, viel zu lange hinzog. Etwas abgekürzt hätte ihr besser gestanden und trotzdem die Fakten vermittelt.
Elliott fand ich ganz nett, aber leicht bedauernswert. Der Arme kommt kaum noch zu seinem erholsamen Schlaf und muss zudem noch stets toten Menschen begegnen. Etwas mehr Biss hätte ihm aber dennoch gut gestanden.
Ophelia wirkte auf mich die ganze Zeit über sehr kühl und distanziert. Zu ihr habe ich leider keinen richtigen Draht finden können.

Du könntest wieder so sein wie früher.
Seite 169

In dem Buch werden jede Menge Fragen aufgeworfen, die aber nach und nach noch geklärt werden. Die letzten 70 Seiten konnten mich noch überraschen und damit Pluspunkte sammeln. Trotz sehr gut dargestellter Geistergeschichte mit hohem Gruselfaktor ist der Funken bei mir nicht so richtig übergesprungen. Alles, was nicht mit den nächtlichen Erscheinungen zu tun hatte, fand ich eher etwas langweilig. Die Beweggründe der Geister sind von der Idee her nicht neu, aber ich lasse mich in dieser Beziehung immer wieder gern überraschen.

Michelle Harrison hat mir mit „Schlaf nicht ein“ ein paar recht schaurige Lesestunden beschert. Der Rest der Story konnte mich aber nicht vollends überzeugen. Das Ende fand ich wiederum so gut gelungen, dass die Autorin damit bei mir noch einen Punkt gut machen konnte. Den Charakteren fehlte es für mich eindeutig an genug Tiefe. Ob die Altersempfehlung mit 14 Jahren wirklich passend gewählt ist, ist aufgrund der Geisterszenen sehr fraglich. Somit vergebe ich für dieses Buch gerade noch 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


Michelle Harrison wurde 1979 in Grays, Essex geboren und verbrachte dort ihre Kindheit. Sie begann bereits mit vierzehn Jahren zu schreiben. Bekannt wurde sie mit ihrer Elfenseele-Trilogie, deren erster Band den Waterstones Children´s Book Prize gewann. Michelle Harrison war bereits als Buchhändlerin, Aufseherin in einer Galerie und als Kellnerin tätig. Neben dem Schreiben sind Michelles liebste Dinge Kunst, Tiere (ganz besonders schwarze Katzen), alte Gegenstände, Gebäude, in denen es spukt und ihr Mini Cooper. Sie lebt in Oxford mit ihrem Lebensgefährten Darren und ihrer Katze Pepper.

ab 14 Jahren
480 Seiten
ISBN 978-3-7855-7726-4
Preis: 18,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

Kommentare:

  1. Morgen!
    Jetzt hat die Rezi so gut angefangen, dass ich gedacht habe, wow, endlich mal ein richtig gruseliges Buch für mich und dann nimmst du dem ganzen seinen Reiz *lach*

    Schade, dass es doch nicht so gut umgesetzt wurde. Flache Charaktere und langweilige Handlungsstränge schrecken mich doch sehr ab. Vielen Dank für deine tolle Rezi! Wie immer sehr auf den Punkt gebracht :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Dankeschön, meine Liebe:)
      Man kann es ja lesen, aber der gewisse Kick hat mir eben noch gefehlt, leider.

      LG

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  2. Tolle Rezi :))

    Ich hab das Buch auch noch auf dem SuB :). Mal sehen was ich dazu sagen werde :)

    Liebste Grüße<3

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    1. Danke, Mella :) Da bin ich auch mal gespannt!

      GLG <3

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