Montag, 21. Juli 2014

Zertrennlich von Saskia Sarginson



erschienen bei Script 5

Ein flirrender Sommer an Englands Ostküste. Die Zwillingsschwestern Viola und Isolte sind durch duftende Kiefernwälder gestreift, haben auf nebelüberfluteten Lichtungen längst vergessene Sagengestalten beschworen und den scharfen, salzigen Wind des Meeres geatmet. Doch nun, fünfzehn Jahre später, scheinen die beiden nichts mehr gemein zu haben. Während Isolte sich mit verzweifelter Lebensfreude der Welt entgegenwirft, hungert Viola sich in den sicheren Tod. Während eine der Schwestern sich verbissen an ihre Ziele und Pläne klammert, wünscht die andere nichts sehnlicher, als sich aufzulösen und ihrer Vergangenheit zu entkommen.
Welcher unaussprechliche Schrecken ist geschehen in jenem Sommer, als alles möglich schien und der das Erwachsenwerden zweier Zwillingsschwestern so unerbittlich bestimmt
? (Klappentext)

Das Cover dieses Buches finde ich schon großartig. Man sieht nur die Zwillinge von hinten, wie sie vor dem Meer sitzen. Vom Look sieht es aus wie eine ältere, leicht zerknitterte Fotografie. Sehr ansprechend! Die Geschichte besteht aus 44 Kapiteln, die in der ersten und der dritten Person geschrieben sind. Hier wird abwechselnd aus der Sichtweise von Isolte und Viola erzählt.

Isolte und Viola hatten es mit ihrer Mutter nicht immer leicht in ihrer Kindheit. Auch 15 Jahre später zeigen sich noch die Auswirkungen. Isolte ist erfolgreiche Moderedakteurin und steht mit beiden Beinen im Leben. Viola dagegen leidet seit Jahren an Magersucht und wird momentan wieder einmal in der Klinik behandelt. Die eine lebensbejahend, die andere abgestumpft und desillusioniert - finden die Schwestern wieder zueinander? Werden sie sich den Herausforderungen des Lebens noch stellen oder ist für mindestens eine von ihnen das Leben schon vorbei?


Wieder einmal ein Buch, das ein schwerwiegendes Thema behandelt. Stellenweise sehr traurig und vor allem sehr ruhig geschrieben. Der Leser bekommt sofort einen relativ guten Draht zu den Zwillingen, da zeitweise auch der Kontakt zum Leser in Form von Fragen hergestellt wird. Finde ich immer sehr gut gewählt. So wird für mich eine Bindung noch enger. Es gibt viele Rückblicke in die Kindheit der beiden Protagonistinnen, was einen nach und nach verstehen lässt, warum alles so ist wie es ist. Sehr ungewöhnlich fand ich, dass die Gegenwart im Jahr 1987 angesiedelt ist, also doch schon eine Weile her. Durch den Einstieg in den Siebzigern hat man regelrecht das Gefühl, dass man in der doch sehr hippiemässigen Zeit dabei gewesen ist.
Isolte machte auf mich einen recht starken Eindruck. Sie hat einen ausgeprägten Überlebenswillen und versucht stets eine Lösung für eventuelle Probleme zu finden. Eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, dabei aber nicht zu maskulin wirkt. Isolte wird sehr von Schuldgefühlen geplagt, da sie Violas Krankheit nicht frühzeitig erkannt hat. Auch hat sie wiederkehrende Albträume, gegen die sie angehen muss.
Von Viola hab ich eher ein schwaches Bild erhalten – sehr passend zu ihrem Zustand. Von ihr ist durch ihre Krankheit ebenfalls nicht mehr viel übrig geblieben. Viola denkt gerne an ihre Kindheit zurück. Man hat schon fast das Gefühl, dass sie mit der heutigen Zeit und dem Erwachsensein nicht zurechtkommt. Bei ihr hatte ich im weiteren Verlauf der Story das Gefühl, dass sie ab einem gewissen Zeitpunkt kein Zwilling mehr sein wollte und zu rebellieren begann. Dadurch gerät ihr Leben außer Kontrolle und führt in die Magersucht.
Die Konfrontation mit der Vergangenheit der Zwillinge ist nicht einfach, aber sehr wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, ihr Leben wieder in einigermassen gerade Bahnen zu lenken. Gerade diese Szenen empfand ich als sehr beklemmend und deprimierend.

Nichts bleibt, wie es ist, alles hat sich verändert. Nichts kann ungeschehen gemacht werden. Nichts, was gesagt worden ist, zurückgenommen.
Seite 176

Gerade bei einer Zwillingsgeschichte hätte ich eher erwartet, dass der Titel „Unzertrennlich“ heißen würde. Dass sich ausgerechnet eineiige Zwillinge so entzweien können, hat mir ein weiteres Mal gezeigt, wie grausam das Leben sein kann. Ein einziges, schwerwiegendes Ereignis kann das ganze Leben eines Menschen von einer Sekunde auf die andere verändern. Es kann Dinge nach sich ziehen, die man gerade als Kind keinesfalls einschätzen kann.

Saskia Sarginson hat mit ihrem Debütroman ein sehr schwieriges Thema aufgegriffen, das nicht unterschätzt werden sollte. Sie hat eine wahrlich beklemmende Atmosphäre kreiert, die mich manches Mal nicht weiterlesen lassen wollte. Der Schreibstil gefiel mir recht gut, ebenso die Grundidee der Story. Daher vergebe ich 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.

Genau wie ihre Protagonistinnen wuchs Saskia Sarginson mitten im Wald in Suffolk auf. Heute lebt sie in London und hat vier Kinder, darunter ein eineiiges Zwillingspaar. Bevor sie freiberufliche Autorin wurde, arbeitete sie als Lektorin, Journalistin, Ghostwriterin und Gutachterin für Drehbücher. Zertrennlich ist ihr erster Roman.

416 Seiten
ISBN 978-3-8390-0152-3
Preis: 18,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle geht ein herzliches Dankeschön an Vorablesen und den Verlag für die Bereitstellung dieses aufwühlenden Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Huhu!
    Das hast du wieder mal toll beschrieben und hast mich neugierig gemacht ^^
    Hört sich zwar sehr bedrückend an und sowas lese ich ja eher ungern, aber deine Beschreibung und das Cover ... könnten ich umstimmen.
    Ich werds mir auf jeden Fall mal merken!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Mach das, meine Liebe:) Ich hatte ja auch meine Abbruchgedanken, aber dann habe ich mir doch gesagt: Augen zu und durch! Hat sich ja auch gelohnt;)

      LG

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