Samstag, 9. August 2014

Was die Welle nahm von Vera Kissel



erschienen im Dressler Verlag

Ausschlafen, schwimmen, rumhängen. Eigentlich könnte der 14-jährige Lukas tun, was er will. Doch zu sehr beschäftigt Lukas der Gedanke an seinen Vater, der beim schrecklichen Tsunami vor zehn Jahren ums Leben kam - und viel mehr noch die Frage, warum niemand über den Vater spricht. Es ist, als hätte es ihn nie gegeben. Auf der Suche nach einer Erklärung entdeckt Lukas etwas, das ihn zunächst völlig aus der Bahn wirft. (Klappentext)

Das Cover dieses Buches finde ich sehr schlicht gehalten. Eine einsame Figur auf den Klippen stehend, gedämpfte Farben und der Titel in sehr großen Buchstaben. Es fällt einem auf jeden Fall ins Auge. Die Story erstreckt sich über 34 Kapitel und wird aus der Sicht von Lukas erzählt.

Lukas ist 14 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter in Belin-Neukölln. Sein Vater starb vor knapp 10 Jahren bei dem verheerenden Tsunami vor der Küste Thailands. Lukas war noch zu klein, um sich an seinen Vater erinnern zu können. Wenn es nur das wäre, aber niemand aus seiner Familie ist bereit, über Uli zu sprechen. Nicht einmal seine Mutter. Schon gar nicht sie. Es gibt keinerlei Fotos von Uli, nichts. Alles, was Lukas hat, ist ein schon längst verwaschenes Foto, das er immer bei sich trägt. Als Anja mit ihrem Freund Hannes ein paar Tage Urlaub macht, sieht Lukas die Chance seine Nachforschungen anzustellen. Er muss mehr über seinen Vater erfahren, doch er ist keineswegs auf seine Entdeckung vorbereitet…


Als ich das Thema dieses Buches sah, musste ich mich sogleich für die Leserunde bewerben und war sehr glücklich, dass ich tatsächlich teilnehmen durfte. Wie von vorneherein schon klar gemacht wurde, geht es in dieser Geschichte nicht um den Tsunami selbst, sondern um die weitreichenden Ereignisse danach. Ereignisse, die den damals noch kleinen Jungen Lukas jahrelang begleiten werden.
Was sofort auffällt, ist der doch etwas ungewöhnliche Schreibstil der Autorin. Es gibt viele kurze Sätze (manchmal nur ein Wort), die durch verschiedene Zeilen getrennt werden. Anfangs machte mir dies große Schwierigkeiten, da auch einige Wörter gedoppelt vorkommen und ich somit den Satz zum besseren Verständnis nochmals lesen musste. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und es ging ganz flüssig weiter.
Obwohl Lukas nur Berichte aus Zeitung und Fernsehen über den Tsunami kennt, träumt er fast jede Nacht von ihm. Schreckliche Albträume suchen ihn heim, in denen er mit der Welle kämpft.

Ich  schwimme gegen die Welle.
Seite 25

Lukas ist für mich ein ganz gewöhnlicher Teenager, der manchmal durch seinen „Wahlbruder“ Birol auf die schiefe Bahn gerät. Nichts wirklich Dramatisches, aber man merkt schon, dass er sich in dieser Sache gut beeinflussen lässt. Wer weiß, ob dies anders gewesen wäre, wenn er die wahre Geschichte und Hintergründe gekannt hätte. Wenn jemand ihn nicht nur als Kind bezeichnet hätte, sondern sich mit ihm hingesetzt und geredet hätte. Dass Lukas seine Mutter nur beim Vornamen nennt, war für mich sehr gewöhnungsbedürftig und käme für mich als Mutter keinesfalls in Frage.
An dieser Stelle möchte ich keine weiteren Angaben zu anderen Charakteren oder Ereignissen machen, da dies zuviel von der Story verraten würde. Es gibt auf jeden Fall noch eine große Überraschung, die ich überhaupt erwartet hatte! Um was es geht und wie es danach mit Lukas´ Leben weitergeht, müsst ihr schon selbst herausfinden :)

Manchmal gibt die Welle wieder zurück, was sie genommen hat.
Seite 115

Für mich war „Was die Welle nahm“ die Geschichte eines typischen Teenagers mit seinen ganz normalen Problemen. All dies geschieht mit dem Hintergrund des Tsunamis jenes schicksalhaften Weihnachtstages im Jahr 2004, der sein Leben für immer verändern sollte. Ich hätte mir an einer ganz bestimmten Stelle mehr Emotionen erhofft, die blieben aber leider aus. Ansonsten behandelt Vera Kissel in ihrem ersten Jugendbuch ein brisantes Thema, auf das ich niemals getippt hätte. Wenn man sich erst einmal an den Schreibstil gewöhnt hat, liest sich das Buch in einem Rutsch weg. Die letzten Seiten beinhalten noch eine Idee, die ich sehr schön und liebevoll dargestellt fand.
Für dieses Buch vergebe ich 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


Vera Kissel ist 1959 im Odenwald geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen.
Sie hat an der Universität Dortmund Journalistik studiert und als Dramatikerin an verschiedenen deutschen Bühnen gearbeitet.
Für ihre Theaterstücke erhielt sie mehrere Preise und Stipendien. Außerdem schreibt sie Gedichte und Drehbücher.
"Was die Welle nahm" ist ihr erstes Jugendbuch, mit dem sie 2012 für den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert war.
Vera Kissel lebt und arbeitet in Potsdam.

ab 13 Jahren
256 Seiten
ISBN 978-3-7915-1110-8
Preis: 14,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle noch ein recht herzliches Dankeschön an Lovelybooks, die Organisatoren der Leserunde, Vera Kissel und den Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars!

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