Samstag, 20. September 2014

Hüter der Erinnerung von Lois Lowry



erschienen bei dtv

Jonas lebt in einer Welt ohne Not, Schmerz und Risiko. Alles ist perfekt organisiert, niemand muss sich über irgendetwas Sorgen machen, sogar die Berufe werden zugeteilt. Als Jonas Nachfolger des »Hüters der Erinnerung« werden soll, beginnt er eine Ausbildung beim alten Hüter. Und hier erfährt er, welch hohen Preis sie alle für dieses scheinbar problemlose Leben zu zahlen haben. Jonas' Bild von der Gesellschaft, in der er lebt, bekommt immer mehr Risse, bis ihm klar wird, dass er seinen kleinen Pflegebruder Gabriel diesem unmenschlichen System keinesfalls ausliefern möchte. Es bleibt ihm nur die Flucht - ein lebensgefährliches Unterfangen ... (Klappentext)

Zu dem Cover dieses Buches kann ich nicht allzu viel sagen, da es ein typisches Filmcover ist. Die Protagonisten sind natürlich als Motiv zu sehen, aber das war es dann auch schon. Das bereits vor ein paar Jahren erschienene deutsche Cover sagt mir aber so gar nicht zu – da ist dieses doch noch ansprechender. Die Geschichte besteht aus 23 Kapiteln, und diese werden in der dritten Person geschildert.

Jonas lebt in der Gemeinschaft. Hier unterliegt alles einem strengen Regiment. Jedes Jahr im Dezember gibt es spezielle Zeremonien, auf die verschiedenen Altersstufen abgestimmt. Es wird nichts dem Zufall überlassen, Berufsausbildungen oder auch Kinder werden zugeteilt. Als der große Tag für Jonas gekommen ist, der Tag, an dem seine Zwölferzeromie stattfindet, erlebt nicht nur er eine große Überraschung…


Ich bin durch den Filmtrailer auf das Buch aufmerksam und vor allem neugierig geworden. Anfangs hatte ich leichte Schwierigkeiten in das Buch hinein zu finden, da der Leser schon frühzeitig mit sehr vielen Informationen versorgt wird. Die verschiedenen Rituale am Morgen und am Abend werden beschrieben, die Dezember-Zeremonien werden leicht angerissen und man erfährt auch etwas über das „Freigeben“. Für mich eine klassisch dystopische Welt, in der ich nicht leben möchte. Es scheint so, als wenn der Mensch nur Richtlinien zu befolgen hat und praktisch keinen eigenen Willen an den Tag legen darf. Berufsausbildungen, Kinder, Ehepartner und sogar Kuschelobjekte werden zugeteilt - nach bestem Wissen und Gewissen von dem Rat der Ältesten ausgesucht. Ebenso gibt es Abschiedsfeiern für die Alten (manchmal auch für Säuglinge), was mich sehr an Ally Condies Trilogieauftakt „Die Auswahl“ erinnerte. So entsteht in diesem Buch eine auf den ersten Blick harmonische Gesellschaft, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Eine wahrhaftige Schwarz-Weiß-Gesellschaft, in der nichts willkürlich geschieht und keine Gefühle bestehen.
Ich frage mich in solchen Momenten nur immer, wann der erste anfängt Fragen zu stellen und zu rebellieren..
Jonas ist ein sehr ruhiger und in sich gekehrter Junge. Anhand der Geschichte hatte ich es so verstanden, dass er erst 12 Jahre alt ist. Dies geht daraus nicht eindeutig hervor und verwirrte mich. Doch bei den Informationen zum Film steht eine Altersangabe von 16 Jahren. Passt vom Verhalten her aber auch eindeutig besser. Er ist unauffällig und hält sich an die Regeln. Natürlich wird auch er seit einiger Zeit von den Ältesten beobachtet, wie es für die sogenannten Elfer üblich ist.
Lily ist Jonas´ kleine Schwester und erst ein Siebener. Sie machte auf mich den Eindruck, als wenn sie die Regeln auch gerne mal etwas abändern würde. Ein quirliges kleines Mädchen mit dem Herz am rechten Fleck.
Der Hüter der Erinnerung ist der wichtigste Älteste der Gemeinschaft. Er hat einen Rat der Ältesten um sich, die zusammen die Entscheidungen für die Bewohner treffen.
Es stellt sich erst nach und nach heraus, wie unbedarft und unwissend die Menschen der Gemeinschaft sind und wie wenig sie doch von der Welt kennen. 
Die Story steuert zielstrebig auf die Zwölfer-Zeremonie von Jonas zu. Mir gefiel daran nicht so gut, dass man als Leser durch den Klappentext schon zuviel Information erhält. Denn der Text bezieht sich auf die ersten 100 Seiten der Geschichte – was kommt denn da noch? Das Buch ist mit seinen knapp über 270 Seiten nicht wirklich sehr dick… Auch das Warum des Ganzen war mir genau wie Protagonist Jonas nicht wirklich klar.
Zwischen Kapitel 5 und Kapitel 6 gibt es einen Zeitsprung, der mich sehr verwirrte, da er in keinster Weise sichtbar gemacht wird.
Es gibt eine bestimmte Sache, die ich sehr vorhersehbar fand. Das mag zum Einen daran liegen, dass ich schon viele Dystopien gelesen habe, zum Anderen aber vielleicht auch daran, dass das Buch ja schon über 20 Jahre alt ist.

Lois Lowry hat mit ihrem Roman „Hüter der Erinnerung“ eine dystopische Welt erschaffen, in der Gefühle, eigener Wille und Farben nicht erwünscht sind. Sie ist komplett auf die Gleichheit ausgelegt worden. Dies kristallisierte sich allerdings erst sehr spät im Buch richtig heraus, was ich etwas schade fand. Dadurch kam die Story sehr schleppend in Gang, wobei sich die Ereignisse zum Ende hin fast wieder überschlugen. Die Proportionalität stimmte für mich nicht ganz. Die Autorin verfügt über einen sehr nüchternen Schreibstil, der wenig Platz für lebendige Erlebnisse lässt. Ich denke, dass dies in der Verfilmung besser dargestellt werden wird. Das Ende lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Es ist passend und stimmig gemacht, doch auch leicht abrupt. Ich denke, dass wir Leser immer den Drang haben, noch mehr über bestimmte Dinge zu erfahren, sie genauer betrachten zu können – das kommt hier, meiner Meinung nach, etwas zu kurz.
Alles in allem bot mir dieses Buch eine kurzweilige und gute Unterhaltung. Ich vergebe dafür noch 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen und werde mir die Verfilmung auf jeden Fall ansehen.


Lois Lowry wurde 1937 in Honolulu, Hawaii, geboren. Sie hat u.a. in Pennsylvania und Japan gelebt und wohnt heute in Cambridge, Massachusetts. Lois Lowry ist verheiratet und hat mittlerweile vier erwachsene Kinder. Ihre Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Newbery Medal. Bekannt gemacht haben sie vor allem ihre spritzigen Alltagsgeschichten um das Mädchen Anastasia Krupnik, aber auch ihre psychologisch durchdachten und meisterhaft geschriebenen Jugendbücher, wie z.B. ›Hüter der Erinnerung‹.

ab 12 Jahren
272 Seiten
ISBN 978-3-423-08642-4
Preis: 9,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an den Verlag für die Bereitstellung dieses tollen Exemplars!

1 Kommentar:

  1. Hallo,

    ich habe dich gerade getagt, vllt. hast du ja Lust mitzumachen :)

    http://buecherstuff.blogspot.de/2014/09/tag-liebster-award-discover-new-blogs.html

    LG Dinchen

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