Montag, 27. Oktober 2014

The Diviners von Libba Bray



erschienen bei dtv

New York, 1926: Wegen eines kleinen "Zwischenfalls" wurde Evie O'Neill aus ihrer langweiligen Kleinstadt ins aufregende New York verbannt. Dort genießt sie das wilde Partyleben, bis ein seltsamer Ritualmord die Stadt erschüttert - und Evie über ihren Onkel, den Direktor des Museums für Amerikanisches Volkstum, Aberglauben und Okkultes plötzlich mitten in den Mordermittlungen steckt. Schon bald weiß sie mehr als die Polizei. Denn Evie hat eine geheime Gabe, von der niemand wissen darf: Sie kann Gegenständen die intimsten Geheimnisse ihrer Besitzer entlocken. Doch sie hat keine Ahnung, mit welch entsetzlicher Bestie sie es zu tun bekommt … (Klappentext)

Das Cover ist einfach ein absoluter Eye-Catcher. Es ist ganz im Stil der 20er Jahre gestaltet worden, was zudem noch sehr edel aussieht. Die goldene Schrift ist sehr gut gewählt und gibt dem Ganzen noch ein besonderes Flair. Bei der weiblichen Figur handelt es sich wahrscheinlich um Protagonistin Evie, die aber nicht vollständig zu sehen ist. Die Karte in ihren Händen ist ein Symbol für Okkultismus, was etwas Mysteriöses ausstrahlt. Auch ohne Schutzumschlag ist das Buch für mich ein absoluter Traum: Es ist ganz lila mit goldfarbener Schrift. Das Buch besteht aus betitelten Kapiteln.

Es ist das Jahr 1926. Die 17-jährige Evie ist ganz und gar nicht so, wie sich eine Frau in dieser Zeit verhalten sollte. Sie ist nicht auf den Mund gefallen und hat zudem noch die Fähigkeit, die dunkelsten Geheimnisse eines Menschen sehen zu können. Dazu muss sie nur einen persönlichen Gegenstand desjenigen berühren. Auf Grund eines Vorfalls wird sie von ihren Eltern für die nächsten Monate nach New York zu ihrem Onkel Will geschickt. Dort geschieht nach kurzer Zeit ein Mord, der nicht nur Evie erschüttert…

„The Diviners“ ist wahrlich ein sehr dicker Schinken. Zudem spielt die Story noch in den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts – beides gar nicht das, was ich sonst so bevorzuge. Doch die XXL-Leseprobe war dermassen überzeugend, das ich mich an diesen Wälzer heran trauen musste. Ob ich es bereut habe? Oder eher geliebt? Lest selbst:


Evie mochte ich auf Anhieb. Sie ist weltoffen, redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist – ganz untypisch für eine junge Frau im Jahre 1926. Sie weiß, was sie will und nimmt die Dinge gerne selbst in die Hand. Gerade dies gefiel mir an ihr sehr gut. Dass sie ihr loses Mundwerk natürlich auch mitunter in Schwierigkeiten bringen kann, war ja zu erwarten. Evie ist nach der neuesten Mode gekleidet und lässt sich auch dabei nicht von anderen reinreden.
Sam ist ein kleiner Taschendieb, der bei seiner ersten Begegnung mit Evie schon sehr forsch in Erscheinung tritt. Bei ihm war ich mir immer nicht so ganz sicher, ob er zu den Guten oder eher zu den Bösen gehört. Er wirkt ein wenig undurchsichtig und versucht dies mit viel Gerede und Augenwischerei zu überspielen. Sam tritt oftmals sehr dreist, aber auch humorvoll auf, was mich doch einige Male zum Schmunzeln brachte.
Memphis ist ein sympathischer 17-jähriger Junge, der nicht nur um seinetwillen versucht, das Beste aus seinem Leben zu machen. Er hat noch einen jüngeren Bruder, dem er nach dem Tod der gemeinsamen Mutter eine Stütze sein muss. Memphis besaß bis vor drei Jahren die Gabe, andere zu heilen, doch seitdem ist sie aus unerfindlichen Gründen verschwunden.  
Die Story beginnt mit einer Art Prolog. Dieser kommt ohne Namen, dafür aber mit vielen vagen Beschreibungen daher, was ich sehr mysteriös und genial fand. Die Verwendung eines Ouijabrettes entsteht aus einer Partylaune heraus. Ein paar reiche Kids sehen es als Spiel auf einer Geburtstagsparty. Dabei wird dann auch das erste Mal der Name Naughty John laut, der noch eine weitreichende Bedeutung im darauf folgenden Storyverlauf haben wird. Ein sehr toller Einstieg!
Es gibt immer wieder eingestreute Kapitel, die wahrscheinlich aus der Sicht des Mörders geschildert werden. Hier wird von einem geheimnisvollen Schmelzofen gesprochen, genauso wie von einem Geheimgang und einem verborgenen Raum. Dinge, bei denen es mir kalt den Rücken runterlief…

Aber sobald der Mensch über einen freien Willen verfügt, besitzt er auch das Vermögen, sich frei zu entscheiden – und Böses zu tun.
Seite 58

In diesem Buch treten sehr viele Personen in Erscheinung, was ich manchmal doch recht verwirrend fand. Jeder für sich hat selbstverständlich seine ganz eigene Bedeutung und wird durch Kleinigkeiten hervorgehoben. Ebenso schildert die Autorin Begebenheiten oder Umgebungen sehr detailliert und geradezu ausschweifend, wobei man schon den Anschluss verlieren kann. Dadurch wirkt die Story stellenweise auch sehr lang geraten. Etwas weniger wäre nicht schlecht gewesen.
Der Leser wird in die Zeit von damals regelrecht eingeladen und findet sich zum Beispiel in einer Revue-Aufführung oder einem Jahrmarkt wieder. So bekommt man ein gutes Gespür für die zwanziger Jahre.
Vordergründig geht es um grausamen Mord, woraus die Anwesenheit der Diviner resultiert. Dies sind Menschen mit besonderen Fähigkeiten, wovon ihre Mitmenschen allerdings nichts wissen wollen.

Wir sind Diviner. Es hat uns schon immer gegeben und wir werden immer sein. Es ist uns ein Vermögen zu eigen, das von der großen Kraft dieses Landes und seines Volkes rührt, ein Reich, das wir für eine Weile teilen, solange es vonnöten ist. Wir sehen die Toten. Wir sprechen zu den ruhelosen Geistern. Wir wandeln in Träumen. Wir lesen Sinn aus einem jedem Gegenstand, den wir in unseren Händen halten.
Seite 232

Libba Bray hat mit ihrem Auftaktband ihrer neuen Reihe ein Werk aus Mysterium, Grusel und Spannung geschaffen, das einen sogleich in seinen Bann zieht. Es ist sehr abwechslungsreich, wenn auch für mich etwas zu lang geraten. Gerade, weil es noch mehr Bände geben wird. „The Diviners – Aller Anfang ist böse“ ist eine komplex gestaltete Story, bei der man nicht zu lange Lesepausen einlegen sollte. Sonst könnte man leicht den Überblick verlieren, wer mit wem wie verwoben ist. Von der ersten bis zur letzten Seite ist das Böse unterschwellig zu spüren und die Story wird im weiteren Verlauf immer gruseliger und rätselhafter. Eine Jagd nach einem ganz besonderen Mörder hält den Leser stets in Atem und endet in einem grandiosen Finale, das noch viel Raum für eine Fortsetzung lässt. Ich vergebe für dieses gruselige und aussergewöhnliche Buch sehr gute 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


Libba Bray ist die Autorin von mehreren Theaterstücken und einigen Kurzgeschichten. Mit ihrer Trilogie ›Der geheime Zirkel‹ schaffte sie es auf Anhieb auf die Bestsellerliste der New York-Times und landete einen internationalen Erfolg. Für ihr Buch ›Ohne. Ende. Leben.‹ wurde sie mit dem Michael L. Printz Award ausgezeichnet. Heute lebt die in Texas aufgewachsene Autorin mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Brooklyn, New York.
Mehr über Libba Bray unter www.libba-bray.de und www.libbabray.com


ab 14 Jahren
704 Seiten
ISBN 978-3-423-76096-6
Preis: 19,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses gruseligen Exemplars bedanken!

Kommentare:

  1. Hallo Claudia!!!

    Ich hab das Buch ja auch vor einigen Tagen gelesen (meine Rezi kommt noch) und ich fands auch toll. Allerdings hat es sich für mich grad in der ersten Hälfe doch etwas gezogen, weil die ganzen Beschreibungen der Personen und ihre Hintergründe recht viel "Platz" beansprucht haben. Vor allem, da das ja erst in der Fortsetzung eine größere Rolle spielen wird und somit für mich immer wieder ein Leerlauf dazwischen war.

    Gegruselt hat es mich leider überhaupt nicht, obwohl ich mir das erhofft hatte. Es waren wirklich viele Personen und ich musste alles sehr genau lesen, um nicht den Faden zu verlieren ^^
    Die Idee fand ich toll und vor allem den Flair der 30er Jahre, obwohl ich damit bis jetzt nicht viel anfangen konnte. Freu mich auf die Fortsetzung :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Huhu, meine Liebe:)
      Viele Personen waren es wirklich, daher war ich echt froh, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen schon durch hatte.
      Ich bin auch sehr gespannt, wie es weitergeht!

      LG :)

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  2. Huhu :))

    Wiedermal eine tolle Rezi :). Das Buch habe ich auch erst seit kurzem und bin total gepsannt :))

    Liebe Grüße<3

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    1. Hey, Mella!
      Es wird dir sicherlich gefallen, für mich war es mal was Anderes:) Viel Spaß damit!

      LG <3

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