Samstag, 13. Dezember 2014

Vollkommen von Patricia Rabs



erschienen bei Impress

Der Klappentext

Sie haben sich in einer streng regulierten Idealgesellschaft den besten Platz erobert: Die Familie der 17-jährigen Teresa Evans gehört zu den Privilegierten, die in Mitte wohnen dürfen. Ihr Blut wird seit Generationen als so wertvoll eingestuft, dass sie es spenden und dafür besser leben können. Doch mit Teresa kommt die Wende, sie hat die Einstufung zur Blutspende nicht bestanden. Wegen ihr könnten sie jederzeit in die Armutswelt der Randbezirke abgeschoben werden. Dorthin, wo auch Lucas wohnt. Der Junge, mit dem Teresa als Privilegierte niemals zusammen sein dürfte und der jetzt ihr einziges Licht im Dunkeln ist. Doch gerade Lucas besteht als Erster seines Stammbaums die Einstufung und gehört plötzlich zu den Privilegierten…

 Meine Meinung zum Cover

Das Cover ist sehr schlicht gehalten. Die Farben wirken frostig und unnahbar, das Motiv stellt wahrscheinlich Protagonistin Teresa dar. Ein sehr schönes Cover, das meine Aufmerksamkeit schon vor längerer Zeit auf sich gezogen hat. Die Kapitel sind nicht einfach nur durchnumeriert, sondern enthalten Unternummern, wie z. B. 1.1, 1.2 usw. Eine etwas andere Idee, die mir gut gefallen hat. Die Story wird aus Teresas Sicht erzählt. Das E-Book ist in drei Teile eingeteilt.

 Meine Zusammenfassung

Teresas Blut ist nicht zur Spende geeignet – ein großer Verlust für ihre Familie. Hätte sie nämlich spenden können, wäre das Leben für sie selbst, ihre Schwester und Mutter wesentlich einfacher. Durch die Blutspende ab dem 17. Lebensjahr kann man seiner Familie einiges ermöglichen und hat gute Aufstiegschancen. Teresas Freund Lucas ist so ein wertvoller Spender und das Mädchen begleitet ihn zu seiner ersten Spende in das eindrucksvolle Labor. Doch nach diesem Tag verändert sich Teresas Leben drastisch…


 Charaktere und meine Meinung

Teresa ist ein sehr ruhiges Mädchen. Sie nimmt es sehr mit, dass gerade ihr Blut zur Spende nicht geeignet ist. Sie möchte einfach nur ein besseres Leben für sich und ihre Familie und im Intershop einkaufen gehen – was ist daran verkehrt? Trotzdem kommt kein Wort des Neids über Teresas Lippen, als ihr Freund Lucas zur Spende gehen kann. Ich mochte das junge Mädchen recht gerne. Sie nimmt allerdings oftmals alles hin und beginnt nicht, Fragen zu stellen. Das hat mich stellenweise etwas irritiert.
Bei Lucas war ich mir nicht so ganz schlüssig. Auch für ihn steht seine Zukunft und die seiner Familie an erster Stelle. Er wirkte auf mich etwas blass dargestellt, was ich aber auch bei Teresa und den Nebencharakteren feststellen musste. Eine richtige Verbindung konnte ich weder zu ihm, noch zu den anderen Figuren aufbauen.

Die Darstellung dieser dystopischen Welt und die ganze Idee dahinter hat mich sofort faszinieren können. Eigentlich ein typisches Weltbild: verschiedene Schichten, kein Zusammenkommen möglich, Flucht. Hier wird der Leser schon von Anfang an mit vielen Informationen und Eindrücken über das System, das sagenumwobene Labor und den Schauplatz bombardiert, was aber keinesfalls erschlagend war. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, da er trotz der medizinischen Abläufe und Begriffe noch einfach gehalten war.
Es ist wieder einmal die Rede von einer wahnwitzigen Idee, freigesetzt von einer großen Firma, die somit über das Sein und Nichtsein der Menschen bestimmen kann. Erschreckend, wie und womit die „Großen“ hiermit quasi über Leichen gehen wollen…

Allein die Vorstellung war absurd. Wie viel musste ein Mensch geben, um das tun zu können?
6% des E-Books

Da Teresa nicht zur Spende zugelassen wird, entsteht an dieser Stelle ein großes Gefühl von Unzulänglichkeit, was sehr gut von der Autorin zum Leser transportiert wird. Man fühlt mit dem jungen Mädchen und hofft auf einen anderen Ausweg.
Stellenweise fiel es mir aber gerade im zweiten Teil des Buches sehr schwer, den Dialogen zu folgen. Manches wirkte auf mich unlogisch und unbeholfen. Die Handlungen der Charaktere waren nicht ganz nachvollziehbar. Dazu kommt auch gerade Teresas Reaktion auf eine große Enthüllung, die sie betrifft – sie macht ganz normal weiter, ohne nur eine einzige Frage zu stellen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird dies zwar nachgeholt, aber eben nicht sofort, was passender gewesen wäre.
Auch tauchten mir im zweiten Teil zu viele Personen auf, die ich kaum noch zuordnen konnte. Gerade, weil sie allesamt sehr durchscheinend wirkten.

 Mein Fazit

Patricia Rabs hat mit ihrer Dystopie „Vollkommen“ ein erschreckendes Zukunftsszenario erschaffen, das mich zum größten Teil mitreissen konnte. Die erschaffene Welt ist geprägt von einer großen Aussichtslosigkeit, was mich so manches Mal schwer schlucken ließ. Gerade der erste Teil des Buches ist an Dramatik kaum zu übertreffen – er gefiel mir mit dem dritten Buchteil am besten. Ebenso ist eine plötzlich auftretende Spannung vorhanden, die zum richtigen Zeitpunkt wieder abflaut. Negativ fand ich die ausnahmslos blassen Charaktere und vor allem die holprigen Szenen im zweiten Teil. Eine sehr vorhersehbare Tatsache ließ diese Kritikpunkte leider auch nicht besser aussehen. Der Schreibstil ansich hat mir gut gefallen, da er leicht und schnell zu lesen ist. Das offene Ende von „Vollkommen“ hat zwar keinen großartigen Cliffhanger, aber eine Fortsetzung wäre an dieser Stelle nicht verkehrt :) Für die gute Idee und die Umsetzung der dystopischen Welt vergebe ich noch 4 geschwächte von 5 möglichen schwarzen Katzen. 


 Die Autorin

Patricia Rabs ist Theaterschauspielerin und stand viele Jahre in Aachen auf der Bühne. 2011 zog sie für zwei Jahre nach Japan und hat sich damit ihren größten Traum erfüllt. In dieser Zeit begann sie auch mit dem Schreiben und Publizieren von Romanen. Nebenbei hat sie sich zum Ziel gesetzt alle Stephen-King-Bücher zu besitzen, ihre Babyratte Hermine zu erziehen und hinter das feine Netz der Welt zu blicken. 

E-Book
ab 14 Jahren
382 Seiten
ISBN 978-3-646-60084-1
Preis: 3,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich bei allen Beteiligten der tollen Blogtour, der Autorin und dem Verlag für meinen Gewinn bedanken!

Kommentare:

  1. Hi,
    danke für Deine Rezi, ich kannte es noch gar nicht.
    Landet direkt auf meinen Wunschzettel :)
    LG Ela

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    1. Guten Morgen, Ela:)

      Das freut mich, es lohnt sich trotz der Kritikpunkte!

      LG:)

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