Mittwoch, 25. Februar 2015

Die Mitte von allem von Anna Shinoda




erschienen bei Magellan

Der Klappentext

Clare liebt ihren Bruder Luke über alles – er ist ihr strahlender Held, mit dem sie Abenteuer erlebt, der ihr das Schwimmen beibringt und der sie beschützt. Seit ihrer Kindheit sitzt Luke jedoch immer wieder im Gefängnis. Als er nun nach vier Jahren frühzeitig entlassen wird, hofft sie, dass er sich dieses Mal geändert hat. Aber bald darauf wird Luke erneut verhaftet. Während Clares Eltern versuchen, den schönen Schein zu wahren, und Luke immer wieder mit offenen Armen empfangen, beginnt Clare, an seiner Unschuld zu zweifeln. War er nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Als Clare schließlich selbst in Lukes Machenschaften hineingezogen wird, will sie wissen, wer ihr Bruder wirklich ist. Sie geht der Vergangenheit auf den Grund. Doch was sie dort findet, übertrifft ihre schlimmsten Befürchtungen.

Meine Meinung zum Cover

Das Cover halte ich für etwas Besonderes. Es drückt für mich sehr gut die thematisierte Geschwisterliebe aus, wie die beiden Kinder so dicht aneinander geschmiegt auf einem riesigen Heuballen sitzen. Ohne viel Aufwand trifft dieses Cover mitten ins Herz. Die Story besteht aus 57 ergreifenden Kapiteln.


Charaktere und meine Meinung

Clare ist 17 Jahre alt und kämpft sich von Tag zu Tag. Das Damoklesschwert, das wegen ihres älteren Bruders Luke über ihrer Familie schwebt, belastet sie sehr. Clare gibt sich alle Mühe in der Schule, schließlich möchte sie später ein gutes College besuchen. Dafür arbeitet sie nebenbei sehr hart, was ich bewundernswert finde. Eine ganz starke junge Frau, die ihren Weg machen wird.
Luke ist 29 Jahre alt und immer mal wieder im Gefängnis. Er ist stets zur falschen Zeit am falschen Ort – so sagen seine Eltern. Welche Delikte wirklich dahinter stecken, offenbart sich dem Leser erst mit der Zeit. Luke war mir keineswegs unsympathisch, denn er kümmert sich rührend um Clare. Auch den Spitznamen Piepmatz fand ich niedlich und passend. Man spürt ganz deutlich, wie wichtig ihm seine kleine Schwester ist.
Peter ist 21 Jahre alt und ebenfalls ein Bruder von Clare. Er ist Luke gegenüber eher feindselig. Warum dies so ist, wird auch erst zu einem späteren Zeitpunkt enthüllt. Peter war für mich immer so etwas wie eine Randfigur, seine Auftritte empfand ich als nicht so stark.
Clares Mutter mochte ich gar nicht. Sie hat an allem, was Clare tut, etwas auszusetzen oder triezt sie, es noch besser zu machen. Dabei gibt sie Spitzen von sich, die kein Kind von seiner Mutter gerne hören möchte. Sie wirkt Clare gegenüber richtig hart und unnachgiebig, was ich oft nicht verstehen konnte. Luke gegenüber setzt sie aber sofort ihr glücklichstes Gesicht auf und würde uneingeschränkt alles für ihn tun. Schade, dass eine Mutter bei ihren Kindern solche Unterschiede macht…
Nicht zu vergessen ist da noch Skel, das Familienskelett. Was es damit genau auf sich hat, erfährt der Leser schon auf den ersten Seiten. Ich habe Skel im Laufe der Story immer mehr ins Herz geschlossen ;)

Ich wünschte, ich könnte sie so glücklich machen und ihr dieses breite Lächeln und die funkelnden Augen ins Gesicht zaubern – einfach nur durch meine Anwesenheit.
Seite 130

Dieses Buch hat mich auch nachhaltig noch lange beschäftigt. Es ist mit einer wahnsinnigen Intensität geschrieben worden, die mich oftmals sehr berührt hat.  
Über zwei Drittel des Buches wird abwechselnd aus Clares Kindheit und dem Heute erzählt. Geschildert werden einzelne Szenen aus verschiedenen Altersstufen von Clare, beginnend mit einer glücklichen Familie. Dadurch bekam ich einen direkten Draht zu ihr, ihrer Liebe zu Luke und den Ereignissen von damals. Die teilweise bewegenden Gedankengänge einer Siebenjährigen waren so manches Mal rührend. Es gibt Auszüge darüber, was Luke während seines Gefängnisaufenthaltes bei Clares Entwicklung alles verpasst hat. Eine perfekte Familie wurde einfach auseinander gerissen – was ist davon noch übrig geblieben? Auf jeden Fall die uneingeschränkte Liebe der Mutter zu Luke. Für sie kann er machen, was er will, sie verteidigt und liebt ihn ihn jederzeit und tut alles für ihn. Einerseits konnte ich sie verstehen – ich bin selbst Mutter. Doch ihre „Abneigung“ Clare gegenüber, das ständige Herummäkeln und kein Funken der Liebe für sie oder gar Peter, schnitten mir tief ins Herz!
Clare merkt man auch ihre tiefe Liebe für ihren großen Bruder an, gerade als Kind. Doch jetzt, als junge Erwachsene kam es mir manchmal so vor, als wenn diese Liebe in Frustration umgeschwenkt ist. Clare hinterfragt mehr und macht sich ihrerseits auf die Suche nach der Wahrheit. Sie muss zudem noch die ständigen Blicke und das Getuschel der Leute ertragen, die natürlich alle über die Familiensituation Bescheid wissen. In so einem kleinen Örtchen muss dies wirklich sehr schwer auszuhalten sein…
Luke hat sich die wenige Zeit, die er in Freiheit verbracht hat, mit einer Hingabe um Clare gekümmert, die ich richtig schön fand. So ein Mensch muss doch wirklich ein Pechvogel und stets zur falschen Zeit am falschen Ort sein, oder?
Die Story gleicht nach Lukes Freilassung einem Pulverfass. Clare hat stetig Angst, dass er in alte Muster verfällt und die ganze Chose von vorne losgeht. Ein wahrer Albtraum!
Die Geschichte beginnt mit einer Art Prolog, die ebenfalls eine Szene aus Clares Kindheit wiedergibt. Diese wird im Storyverlauf zur Gänze aufgeklärt, so dass der Leser auch hier in einen erneuten Abgrund gestossen wird…

Liebe macht uns zu Idioten.
Seite 336

Mein Fazit

Anna Shinoda hat mich noch nachhaltig mit ihrem Debütroman „Die Mitte von allem“ beeindruckt. Mir schossen während des Lesens oft Tränen in die Augen, zeitweise war ich sehr entsetzt über das Verhalten von Clares Mutter. Ich wäre am liebsten in die Geschichte gesprungen und hätte ihr gerne meine Meinung gesagt! Der Schreibstil der Autorin ist wunderschön. Sehr gut zu lesen, teilweise leicht poetisch. Das gefiel mir richtig gut und ich hatte Mühe, das Buch nicht innerhalb von wenigen Stunden einfach durchzulesen. Die Charaktere sind allesamt sehr gut ausgearbeitet und handeln völlig authentisch. Ich hatte oftmals das Gefühl, in der Szene selbst als Beobachter daneben zu stehen. Dieses Buch wird durch die Kindheitserinnerungen von Clare zu einem wahren Erlebnis und bringt dem Leser  die Figuren noch wesentlich näher. Clare ist auf einer Reise durch ihr Leben, auf der sie ihre Gefühle zu erforschen lernt. Danach ist es Zeit für sie, zu handeln. Dies bringt unweigerlich Veränderungen mit sich. Aber Veränderungen bringen auch jede einzelne Inhaftierung von Luke in der Familie mit sich. Sehr passend finde ich bei diesem Buch den Originaltitel Learning not to drown. Denn genau das ist Clares einziges Ziel – sie muss lernen, nicht unterzugehen! Ein absolut empfehlenswertes und einzigartiges Buch, das von mir selbstverständlich 5 von 5 möglichen schwarzen Katzen erhält!

Ich werde nicht mehr zulassen, dass der Sonnenschein von meinem Leben verschluckt wird.
Seite 357


 Die Autorin

Anna Shinoda wuchs in einem Bergdorf auf, in dem es nicht einmal eine Ampel gab. Also blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als sich in die Baumkronen zu flüchten, um dort zu lesen und sich Geschichten auszudenken. Als sie wieder herunterkletterte, brachte sie ihren Debütroman mit: Die Mitte von allem.

ab 15 Jahren
384 Seiten
ISBN 978-3-7348-5604-4
Preis: 17,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle geht ein herzliches Dankeschön an den Verlag für die Bereitstellung dieses tollen Exemplars und das in mich gesetzte Vertrauen!

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