Samstag, 7. Februar 2015

Tote Wasser von Ann Cleeves (Band 5 der Shetland-Serie)



erschienen bei Rowohlt

Der Klappentext

Als in einem Fischerboot die Leiche des Journalisten Jerry Markham entdeckt wird, ruft man Hilfe vom Festland: Anstelle von Jimmy Perez, der noch unter dem Tod seiner Verlobten leidet, soll die junge Willow Reeves auf den Shetlands ermitteln. Trotz seiner Apathie regt sich Widerstand in dem Detective. Die junge Kollegin ist ihm entschieden zu forsch.
Das ungleiche Paar begibt sich auf Spurensuche: Markham, Sohn aus reichem Haus, war als Frauenheld bekannt. Er hatte die Inseln nach einem Skandal verlassen müssen. Warum also war er zurückgekehrt? Die Spur führt zu den Ölfeldern in der Bucht Sullum Voe, über die der Tote einen Artikel schreiben wollte ...

Meine Meinung zum Cover

Das Cover ist schlicht und ergreifend. Der Leser erblickt eine Unmenge an Wasser – was könnte passender für die Shetland-Inseln sein? Ein typisches und keineswegs reißerisches Krimi-Cover, das mir sehr gut gefällt. Die Story besteht aus 47 Kapiteln, die geradezu zum Miträtseln einladen.


Charaktere und meine Meinung

Jimmy Perez ist ja der eigentliche Protagonist. Doch in diesem 5. Band erhält er eine etwas kleinere Rolle, da er sich erst wieder ins Berufsleben einfinden muss. Ich mochte ihn schon immer sehr gerne, er ist äusserst sympathisch und ein ganz ruhiger Typ. Perez hat es auf den Shetland Inseln nicht immer leicht, da er mit seiner olivfarbenen Hautfarbe doch etwas heraussticht. Seinen Job hat er bisher immer sehr gut und souverän gemacht – er wird sicherlich wieder zur alten Form auflaufen können! Der Verlust von Fran setzt ihm verständlicherweise sehr zu, er quält sich mit Schuldvorwürfen. Man merkt Perez ganz deutlich an, wie sehr er leidet. Trotzdem will er sich natürlich so gut es geht um Cassie, seine 7-jährige Stieftochter kümmern – ganz wie Fran es wollte. Ich liebe einfach Jimmy Perez und bin froh, dass er wieder da ist!
Sandy Williams ist aus den Vorgängerbänden auch schon bekannt. Er gefiel mir schon immer gut und ist mehr der Vorsichtige, vielleicht auch manchmal Tollpatschige. Auch wirkt er bei den Ermittlungen immer etwas unsicher, als wenn er jemden braucht, der ihn in die richtige Richtung führt. Er hat seit jeher zu seinem Boss Jimmy Perez aufgeschaut und versucht, seinen Job genauso gut zu erledigen wie er. Doch Sandy ist einfach ein anderer Typ. Er sollte sich nicht so verunsichern lassen, denn ein guter Polizist ist er allemal! So wirkt er manches Mal etwas verloren.
Rhona Laing ist die Staatsanwältin und auch schon bekannt. Doch in diesem Buch bekommt der Leser einen direkteren Einblick in ihr Leben und ihre Persönlichkeit. Mir war sie nicht sonderlich sympathisch, da sie sehr viel Wert auf Perfektion legt – ob im Aussehen oder auch im Job. Hauptsache, die Frisur sitzt perfekt… Dadurch behandelt sie die Leute leicht von oben herab, was ich überhaupt nicht ausstehen kann! Durch eine schöne Frisur oder teure Kleidung wird man nicht zum besseren Menschen… Zudem verhält sie sich bei diesem Fall ein bisschen merkwürdig, gerade so, als wenn sie etwas zu verbergen hätte.
Willow Reeves ist die ermittelnde Beamtin, die auf die Shetlands geschickt wird, da Jimmy Perez noch nicht ganz wieder da ist. Sie gefiel mir sehr gut, denn sie ist bodenständig und konzentriert sich auf ihre Ermittlungen mehr als um ihr Outfit. Sie geht mit Präzision an den Mordfall heran und kommt der Wahrheit und Identität des Mörders stets ein Stückchen näher…

Es ist ein paar Jahre her, seit ich das letzte Buch aus dieser Shetland-Serie gelesen habe. Doch ich muss sagen, dass mir der Wiedereinstieg so vorkam, als wenn ich gar keine Pause dazwischen gemacht hätte!
Sechs Monate sind seit Frans Tod vergangen. Jimmy Perez ist noch nicht bereit, wieder ganztags zu arbeiten, er hängt vielen Erinnerungen nach. Dies wird von der Autorin immer wieder toll mit in die Story eingeflochten. Man spürt als Leser die Emotionen, die Perez bewegen, genauso, wie Frans spirituelle Anwesenheit. Durch die Erinnerungen wird sie auch für uns ein Stück weit lebendig gehalten. Das empfand ich als sehr schön, da sie als Verstorbene nicht gleich auf´s Abstellgleis geschoben wird.

Niemand würde Jimmy je wieder so zum Strahlen bringen können, wie Fran es getan hatte.
32% des E-Books

Die Umgebungsbeschreibungen waren seit jeher schon klasse und völlig ausreichend. Ich hatte stets das Gefühl, selbst auf der Insel umher zu wandern. Dazu noch das trübe Wetter mit dem Nebel – eine perfekte Kulisse.
Die Ermittlungen fand ich sehr spannend und zum Miträtseln. Die einzelnen losen Fäden miteinander zu verknüpfen, die Verbindung zwischen den verschiedenen Inselbewohnern herzustellen hat richtig Spaß gemacht. Ich wusste auch bis zum Schluss nicht, wer der Mörder ist. Zudem gibt es zwar die Leiche, aber ohne großartig blutige Szenen – perfekt für mich und meinen Magen ;)
Zwischen Rhona Laing und Willow Reeves tobt zwischenzeitlich ein kleiner Zickenkrieg, der sich aber auf höchst professioneller Ebene abspielt.
Jimmy Perez gerät etwas ins Hintertreffen, doch Willow Reeves macht ihre Sache sehr gut und versucht ihn trotzdem sehr gut in die laufenden Ermittlungen mit einzubinden, ihn zu beschäftigen. Die beiden geben ein gutes Ermittlerteam ab.

 Mein Fazit

Auch nach einigen Jahren Krimiabstinenz konnte mich der fünfte Band der Shetland-Reihe von Ann Cleeves wieder vollkommen überzeugen. Sie hat eine wunderbare Art, einen Krimi zum Highlight werden zu lassen. Wo andere Autoren vielleicht stellenweise etwas Langatmigkeit verbreiten, geht die Autorin ganz klar und zielgerichtet ihren Weg. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Shetland-Inseln werden zum perfekten Setting, viele Beschreibungen braucht es hier nicht. Ann Cleeves hinterlässt dem Ermittlerteam und dem Leser Puzzlestücke, die einen bis zum Schluss um die Identität des Mörders miträtseln lassen. Die Aufklärung fand ich auch sehr logisch und keineswegs an den Haaren herbei gezogen. Für mich wieder einmal ein sehr gutes Buch von Ann Cleeves, das selbstverständlich 5 von 5 schwarzen Katzen verdient hat!


Die Reihe:

Die Nacht der Raben
Der längste Tag
Im kalten Licht des Frühlings
Sturmwarnung
Tote Wasser
Das Geistermädchen (erscheint voraussichtlich im Juli 2015)

Die Autorin

Ann Cleeves, geboren in Herefordshire, arbeitete als Zwanzigjährige zwei Jahre lang als Köchin auf Fair Isle. Heute lebt sie mit ihrer Familie in West Yorkshire und ist Mitglied des «Murder Squad», eines illustren Krimi-Zirkels. Für «Die Nacht der Raben» wurde sie 2006 mit der weltweit wichtigsten Auszeichnung der Kriminal-Literatur ausgezeichnet – dem «Duncan Lawrie Dagger Award».

432 Seiten
ISBN 978-3-644-50531-5
Preis: 9,99 Euro Print und E-Book

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

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