Montag, 2. Februar 2015

Wir wollten nichts. Wir wollten alles von Sanne Munk Jensen/Glenn Ringtved





erschienen bei Oetinger

Der Klappentext

Lässt nicht los: Liebe, die absoluter nicht sein kann. Zwei Leichen werden aus dem Limfjord gezogen: Liam und Louise. Ihre Hände sind mit Handschellen aneinandergekettet. Alle Indizien weisen auf Selbstmord hin. Louises Eltern zerbrechen fast am Tod ihrer Tochter, doch ihr Vater klammert sich daran, die Wahrheit herauszufinden. Als er Louises Tagebuch findet, eröffnet sich ihm das Leben, das seine Tochter und Liam in den vergangenen Monaten geführt haben.

 Meine Meinung zum Cover

Das Cover finde ich auf den ersten Blick sehr passend. Es werden die Schemen zweier Menschen gezeigt, die durch Handschellen aneinander gefesselt sind. Farblich gesehen auch sehr passend – verschiedene Blautöne, die das Wasser sehr gut repräsentieren. Die Story besteht aus 2 Teilen und nicht gekennzeichneten Kapiteln.


 Charaktere und meine Meinung

Louise ist 17 Jahre alt und total in Liam verliebt. Seit die beiden zusammen sind, gibt es sie mehr oder weniger nur noch im Doppelpack. Louise lebt mit ihren Eltern zusammen und geht noch zur Schule. Liam ist 19 Jahre alt und hat nach dem Tod der Mutter nur noch seinen Bruder und Vater. Leider kamen beide Protagonisten sehr blass daher, sie wirkten richtig wie die Geister, die sie ja letztendlich auch sind. Eine richtige Verbindung konnte ich zu ihnen aus diesem Grund nicht aufbauen, was ich sehr schade fand.
Jeppe ist der beste Freund von Liam, Cille die beste Freundin von Louise. Sie wird etwas vernachlässigt durch Louises Beziehung zu Liam, erhält aber im späteren Storyverlauf noch eine größere Rolle.
Louises Eltern sind sehr mit sich selbst beschäftigt und wahre Meister darin, sich gegenseitig die Schuld für ihr Fehlverhalten zu geben. Keine sehr sympathischen Menschen. Doch im Grunde sind sie einfach nur Eltern, die auf schmerzhafteste Weise von ihren begangenen Fehlern lernen müssen.

Dieses Buch wurde auf dem Schutzumschlag mit John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter verglichen. Die bewegende Liebesgeschichte geradezu gerühmt. Ich kenne von John Green nur den Film, aber nicht das Buch. Doch im Vergleich zu diesem Buch stinkt der Vergleich für mich meilenweit ab. Denn ich war von der Liebesgeschichte keineswegs berührt, sondern musste mich dafür mit den verschiedensten Sexpraktiken und anderen Perversitäten auseinandersetzen. Dies brachte mich in einer speziellen Szene ganz besonders an meine Grenzen und ließ mich das Buch fast abbrechen.
Die Erzählperspektive dieser Story hatte es mir sehr angetan. Ich fand sie neuartig und äusserst interessant, da doch Louise selbst ihre Geschichte erzählt und nicht nur in der Vergangenheit bleibt. Auch weiß der Leser durch den Klappentext und die ersten Seiten, dass Liam und Louise tot sind und ihre Geschichte natürlich kein Happy End im klassischen Sinne haben wird. Ganz toller Ansatz, der mich eine unheimliche Tragik und viele Emotionen vermuten ließ. Doch dies wurde durch unendlich viele F-lastige Schimpfwörter zerstört, die bei mir den Eindruck erweckten, es eher mit abgewrackten Strassenkindern zu tun zu haben. Überhaupt ist der Umgangston untereinander nicht gerade sehr nett.
Eine Entwicklung der Liebesgeschichte habe ich nicht gesehen, Sex wird geradezu als Sport- oder auch Zirkusnummer in Szene gesetzt. Oftmals fühlte ich mich wie der heimliche Beobachter, der nicht wirklich das Geschehen ganz nah dran miterleben möchte…
Die Suche nach Louises Tagebuch steht ein klein wenig im Mittelpunkt, doch ich hatte erwartet, dass es früher gefunden wird und somit einen Einblick in die Geschehnisse geben wird, die die beiden zu dieser Verzweiflungstat getrieben hat.
Der Leser fragt sich während des Lesens natürlich die ganze Zeit WARUM? Warum haben sich die beiden umgebracht? War es wirklich Selbstmord? Was bedeuten die Handschellen? Was ist bloß passiert?
Einige Szenen sind richtig harter Tobak, bei denen ich am liebsten in die Geschichte gesprungen wäre und die Figuren einmal kräftig durchgeschüttelt hätte. Mehr mag ich aber dazu nicht verraten.

Und das mein Leben nichts wert ist, wenn wir uns nicht hätten.
Seite 317

 Mein Fazit

Das Autorenduo Jensen/Ringtved konnte mich nicht richtig mit ihrem Jugendbuch „Wir wollten nichts. Wir wollten alles“ begeistern. Ich hatte mir viel Dramatik und Emotionen, die unter die Haut gehen versprochen. Ich bekam aber leider nur ein Buch, das zwar einen sehr traurigen und äusserst ernsten Hintergrund enthält, aber sprachlich und szenentechnisch überhaupt nicht mein Ding war. Emotional berührt wurde ich nur am Anfang und von den letzten 30 Seiten. Mit dem Ende schließt sich der Kreis, die Hintergründe sind geklärt. Louise hat ihren „Job“ getan und ihre Seele kann Ruhe finden. Diese Story ist geprägt von falschen Entscheidungen, die letztendlich zu diesem Ausgang der Geschichte geführt haben. Nicht immer konnte ich die Handlungsweisen der Protagonisten nachvollziehen und absolut keine Beziehung zu ihnen aufbauen. Da ich aber gerade die Erzählperspektive und das Thema sehr interessant fand, kann ich aufgrund der letzten 30 Seiten doch noch etwas besser bewerten. Diese Seiten haben das Ruder noch ein Stück herumgerissen und ich kann guten Gewissens 3 von 5 möglichen schwarzen Katzen vergeben.


 Die Autoren

Sanne Munk Jensen, Jahrgang 1979, ist eine dänische Schriftstellerin. Sie schreibt vorwiegend für junge Erwachsene und wurde mehrfach ausgezeichnet. Für den Roman "Wir wollten nichts, als es begann. Wir wollten nichts. Wir wollten alles" erhielt sie gemeinsam mit Koautor Glenn Ringtved den Autorenpreis des dänischen Kultusministeriums 2013.

Glenn Ringtved, 1968 geboren, ist ein dänsicher Schriftsteller. Er hat bereits mehr als vierzig Bücher für Kinder und junge Erwachsene geschrieben, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Für den Roman "Wir wollten nichts, als es begann. Wir wollten nichts. Wir wollten alles" wurde er gemeinsam mit seiner Koautorin Sanne Munk Jensen mit dem Autorenpreis des dänischen Kultusministeriums 2013 ausgezeichnet.



ab 16 Jahren
336 Seiten
ISBN 978-3-7891-3920-8
Preis: 16,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag und den Organisatoren der Leserunde bei Lovelybooks für dieses ergreifende Exemplar und die interessante Leserunde bedanken!

Kommentare:

  1. Huhu!

    Ahhh, wow, hab mir mal den Trailer angeschaut, das sieht ja recht düster aus ... jetzt kann ich mir auch vorstellen, was du meinst. Vom Cover her hätte ich das alles ganz anders eingeschätzt. Aber neugierig macht es mich trotzdem - das wandert mal auf meine Merkliste.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hey:)

      Nachdem ich den Trailer gesehen habe, konnte ich das Buch kaum noch erwarten. Aber wie gesagt, meins war´s dann leider doch nicht so. Ich fall damit natürlich wieder komplett aus der Reihe, aber das macht ja nichts;)

      LG:)

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  2. Ich habe jetzt so oft von diesem Buch gehört, es macht mich doch neugierig. Finde das Thema Suizid wird einfach viel zu selten thematisiert..Ich denke, du hast mich mit der Rezi nicht abgeschreckt, im Gegenteil du hast mich eher angefixt :D Ich schmeiß es mal eben auf die Wuli.
    LG, rachel von www.chellushsbookworld.blogspot.de

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    1. Hey, Rachel:)

      Ich wollte auch keinen hiermit abschrecken, ist ja alles Geschmackssache. Dir viel Spaß mit dem Buch, wenn es bei dir einziehen darf!

      LG:)

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