Dienstag, 24. März 2015

Die letzten Tage von Rabbit Hayes von Anna McPartlin




erschienen bei Rowohlt

Der Klappentext

Erst wenn das Schlimmste eintritt, weißt du, wer dich liebt.
Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten (wenn er dich lässt). Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Nur neun Tage, um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst ...

Meine Meinung zum Cover

Das Cover gefällt mir sehr gut, es sind als Motiv viele Blumen zu sehen. Trotzdem wirkt es etwas traurig, da die Hintergrundfarbe Schwarz ist. Also eher kein lustiges Frühlingsbuch. Autor, Titel und Verlag wurden verspielt in das Motiv mit eingearbeitet, was mir gut gefällt. Die Story besteht aus 17 bewegenden Kapiteln.


Charaktere und meine Meinung

Die 40-jährige Rabbit, die eigentlich Mia heißt, ist eine Kämpfernatur. Bei ihr wurde mehrfach Krebs diagnostiziert, doch nun hilft auch kein Kampf mehr. Sie war mir von der ersten Sekunde an äusserst sympathisch, was nichts mit Mitleid zu tun hat. Trotz der wahrlich schrecklichen Situation versucht Rabbit, sich noch um gewisse Dinge zu kümmern und verliert ihren ganz eigenen Humor nie ganz. Ihre positive Einstellung ist immer noch spürbar. Absolut bewundernswert!
Rabbits Mutter Molly ist eine herzensgute Frau in den Siebzigern, die ihrer Tochter natürlich um jeden Preis helfen möchte. Sie unternimmt so gut wie alles, informiert sich, recherchiert – bis auch sie erkennen muss, dass Rabbit jetzt leider nichts mehr helfen kann. Molly ist keine typische Rentnerin, sie ist eher eine gestandene und agile Frau, die es versteht zu fluchen und für jedermann ein offenes Ohr hat. Sie strahlt eine Wärme aus, die mich tief berührt hat.
Ihr Mann Jack ist der verschlossene Typ und kann mit dem bevorstehenden Tod seiner jüngsten Tochter nur schwer umgehen. Er versucht sich vehement zusammen zu reissen, doch in seinem Inneren bricht er jeden Tag etwas mehr zusammen. Trotz weniger Worte ein sehr sympathischer Mann, den man gerne als Vater hätte.
Grace ist die Älteste der drei Geschwister. Sie ist verheiratet, hat 4 lebhafte Jungs und steht ihrer Schwester stets zur Seite. Grace hat wahrlich genug mit ihrem eigenen Leben zu tun, doch trotzdem ist sie für Rabbit, Davey und Juliet jederzeit zur Stelle. Eine wirklich tolle Schwester!
Davey ist 44 Jahre alt und lebt jobbedingt in Amerika. Er wurde schon des öfteren von seiner Mutter zurück nach Irland gerufen, da es Rabbit früher schon immer mal schlecht ging. Davey lässt alles stehen und liegen, um bei seiner Schwester zu sein. Wer hat schon solche Geschwister???
Juliet ist die 12-jährige Tochter von Rabbit und weiß nicht, wie schlimm es um ihre Mom steht. Ein aufgewecktes Mädchen, das sich aufopfernd um ihre kranke Mutter kümmert. Sie wirkt dadurch wesentlich reifer, zum Kindsein bleibt seit Jahren kaum noch Zeit.
Johnny ist Rabbits große Liebe und auch seine Vergangenheit wird hier beleuchtet. Er hat früher mit Davey und einigen anderen Freunden in einer Band gespielt und war mir ebenfalls sehr sympathisch.

Das war jetzt schon eine ganze Menge, aber mir war es wichtig, dass fast alle Personen hier aufgeführt werden. Die einzelnen Abschnitte innerhalb eines Kapitels „gehören“ den verschiedenen Charakteren. Es wird überwiegend aus der Vergangenheit erzählt, so dass dieses Buch nicht nur von Trauer und Schmerz geprägt ist. Es gibt durchaus lustige Situationen, die die Stimmung beim Leser wieder heben. Klatsch und Tratsch über ehemalige Freunde oder auch Nachbarn darf natürlich nicht fehlen. Eigentlich ist die Vergangenheit der größte Teil der Story, die verbliebenen neun Tage übernehmen den kleineren Part.
Beim Lesen hatte ich einen ständigen Kloß im Hals, da man ja unweigerlich auf den neunten Tag zusteuert und sich das Krankheitsbild von Rabbit nicht wirklich bessert… Rabbit besitzt eine wirklich tolle Familie, die sicherlich nicht perfekt ist, aber genau weiß, was wichtig im Leben ist. Denn dieses ist wahnsinnig zerbrechlich – das wird dem Leser sehr gut vor Augen geführt.
Jeder der Charaktere geht mit der Situation anders um. Rabbit selbst hat einen Blog, auf dem sie eine Art Tagebuch ihrer Krankheit geführt hat. Auch diese Passagen werden mit eingestreut.
Die medizinischen Fakten sind gut recherchiert, werden aber nur am Rande mit in die Geschichte eingebracht. So muss sich der Leser nicht mit zu vielen Informationen und Fachwörtern herumschlagen.

Mein Fazit

Anna McPartlin hat dieses Buch sehr einfühlsam und mit unheimlich viel Herzblut geschrieben. Es sind mitunter nicht sehr dramatische Momente, aber die Emotionalität ist wahnsinnig hoch. Ich bin oft einfach so in Tränen ausgebrochen, weil mich nur eine winzige Kleinigkeit sehr berührt hat. Im Gegensatz dazu stehen die Ereignisse aus der Vergangenheit, die trotzdem eine gehörige Portion an Humor aufweisen. Gerade das hat die Story aber auch gebraucht, damit der Leser nicht nur in eine deprimierende Welt gestossen wird, die ausschließlich aus Trauer und Schmerz besteht. Es sind sehr viele positive Gedanken, aber auch Wut bei den Charakteren auszumachen. Alles verständliche Reaktionen auf so eine Diagnose. Mich hat „Die letzten Tage der Rabbit Hayes“ sehr nachdenklich zurückgelassen. Gedanken über das eigene Leben, Fehler, Krankheiten und gerade das Verhältnis zur eigenen Familie werden hier durch sehr präsent. Vor dem Ende, dem neunten Tag musste ich eine Pause machen. Ich überlegte, diesen Teil gar nicht mehr zu lesen, tat es dann aber doch. Es war nicht einfach, aber auch so eine Story braucht einen Abschluss.
Tief ergriffen, sehr berührt und auch gefesselt von der Geschichte vergebe ich selbstverständlich 5 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


 Die Autorin

Anna McPartlin wurde 1972 in Dublin geboren und verbrachte dort ihre frühe Kindheit. Wegen einer Krankheit in ihrer engsten Familie zog sie als Teenager nach Kerry, wo Onkel und Tante sie als Pflegekind aufnahmen. Nach der Schule studierte Anna ziemlich unwillig Marketing, doch sie blieb dabei ihrer wahren Liebe, der Stand-up-Comedy, und dem Schreiben treu. Bei der künstlerischen Arbeit lernte sie ihren späteren Ehemann Donal kennen. Die beiden leben in der Nähe von Dublin.

464 Seiten
ISBN 978-3-499-26922-6
Preis: 12 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für dieses Exemplar und das in mich gesetzte Vertrauen bedanken!

Kommentare:

  1. Hallöchen Claudia,
    ich kann deine Rezension vollkommen nachvollziehen. Ich habe das Buch auch wirklich geliebt und bin sehr froh, dass ich es gelesen habe. :)
    Schöne Rezension, ich finde es gut, dass du auch eine eigene Note und eigene Gedanken in deine Rezi mit eingebunden hast.

    Liebst, Lotta

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    1. Danke, liebe Lotta!
      Manchmal muss ich einfach auch meine persönlichen Gedanken mit einbringen und kann mich nicht nur auf das Buch ansich beziehen:)

      LG:)

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  2. Hallo liebe Claudia,

    eine sehr schöne Rezi! <3
    Das Buch klingt wirklich wunderbar und Deine Rezi hat mir noch mehr Lust auf die Geschichte gemacht. Vielen Dank dafür! :)

    Ganz liebe Grüße und Dir wünsche ich noch einen Abend,
    Hannah
    <3

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    1. Vielen Dank, liebe Hannah!

      Erst mochte ich mich gar nicht an das Buch herantrauen, aber ich bin froh, es gelesen zu haben. Manchmal tut etwas Ernsthaftes auch mal gut, ich kann es dir wirklich nur empfehlen!

      LG und ebenfalls einen schönen Abend :)

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  3. Ich habs auch schon daheim und ich freue mich so aufs Lesen:)
    LG, Sandrina

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  4. Deine Rezension ist so klasse, da würde ich das Buch am liebsten nochmal lesen. :)
    Lieben Gruß, caro

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