Freitag, 27. März 2015

Jenseits der blauen Grenze von Dorit Linke





erschienen bei Magellan

Der Klappentext

Die DDR im August 1989: Hanna und Andreas sind ins Visier der Staatsmacht geraten und müssen ihre Zukunftspläne von Studium und Wunschberuf aufgeben. Stattdessen sehen sie sich Willkür, Misstrauen und Repressalien ausgesetzt. Ihre einzige Chance auf ein selbstbestimmtes Leben liegt in der Flucht über die Ostsee. Fünfzig Kilometer Wasser trennen sie von der Freiheit – und nur ein dünnes Seil, das ihre Handgelenke verbindet, rettet sie vor der absoluten Einsamkeit …

 Meine Meinung zum Cover

Das Cover hat einerseits etwas vom schönen Urlaubsfeeling: Strand, Sonne, Meer – wenn da nicht der Stacheldraht im Vordergrund wäre… Ein ganz klares Zeichen für den Inhalt des Buches. Die Story selbst wird abwechselnd aus der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt.
Kapitelkennzeichnungen gibt es erstaunlicherweise gar nicht, was ich anfangs etwas verwirrend fand. Einzig die Absätze sind durch eine kleine Wellen- oder Wasserzeichnung voneinander getrennt.


Charaktere und meine Meinung

Hanna und Andreas sind unsere Protagonisten in diesem Buch. Andreas wollte den Osten wegen verschiedener Dinge verlassen, Hanna konnte ihn nicht alleine lassen. Ein sehr schöner, aber natürlich auch riskanter und gefährlicher Zug von ihr. Dass einem alleine die Flucht aus der DDR gelingt, ist ja schon schwierig genug – aber gleich Zweien? Ihr Fluchtweg ist über die Ostsee bis ganz nach Fehmarn geplant, was ich von der Idee her nicht schlecht fand. Mich erstaunte es auch, dass es ihnen augenscheinlich so „leicht“ gemacht wurde. Die Bewachung hatte ich mir stärker vorgestellt.
Andreas ist ein vorlautes Kind in der Schule gewesen, der sich damit so einigen Ärger eingehandelt hat. Im Gegensatz zur Gegenwart, denn da zeigt er eine sehr ruhige, fast ängstliche Seite von sich.
In der Vergangenheit spielt auch der Mitschüler von Hanna und Andreas, Sachsen-Jensi, eine Rolle. Jens kam eines Tages aus Sachsen in ihre Klasse und eckte gleich wegen seinem ausgeprägten Dialekt an. Sehr schön fand ich einige Sätze, die in genau diesem wieder gegeben wurden. Ich konnte ihn mir bildlich richtig gut vorstellen!

Die Story beginnt mit der Gegenwart. Die Protagonisten sind kurz davor, in die Ostsee zu gehen und ihre Flucht zu beginnen. Hier gefiel mir sehr gut, dass die beiden die Flucht äusserst detailliert geplant hatten. Keine überstürzte Aktion, sondern wirklich gut überlegt. Durch die einzelnen Vergangenheitskapitel wird die Geschichte um einiges aufgelockert und der Leser wird in die DDR-Zeit versetzt. Wie krass war es, dass Jugendliche allein wegen geschenkten Süßigkeiten in der Schule einen Eintrag ins Buch bekamen! Für uns aus dem Westen wahrscheinlich ganz unvorstellbar… Man wird in eine Zeit zurückversetzt, in der Twix noch Raider hieß, die Sehnsucht nach der neuesten Musik und einem Konzertbesuch fast auswegslos erscheint und man wirklich froh sein konnte, ohne einen Besuch beim Rektor den heutigen Schultag überstanden zu haben… Eine Jugend, die aus der FDJ und Jugendweihe bestand und man einen Witz nach dem anderen über die DDR vom Stapel ließ. Ein wirklich krasses Weltbild, das nach so langer Maueröffnung bei mir schon langsam in Vergessenheit geraten ist. Als ich dann auch noch mit Hanna und Andreas an der S-Bahn-Station Lütten Klein ankam, wurde ich erst einmal in meine eigene Vergangenheit katapultiert. Lütten Klein ist ein Ortsteil von Rostock, den ich kurz nach der Maueröffnung im Jahr 1990 als Teenager aus privaten Gründen besucht habe. Das war schon ein eigenartiges Gefühl beim Lesen, da es sich ja nur um einen ganz kleinen Teil der Stadt handelt.

 Mein Fazit

Dorit Linke hat mich mit ihrem Debütroman „Jenseits der blauen Grenze“ in eine für mich längst vergangene Zeit zurück versetzt. Ihr Schreibstil gefiel mir gut, die Idee hinter der Story ebenso. Einzig die Charaktere blieben gesichtslos für mich, eine ausgeprägte Bindung konnte ich leider nicht aufbauen. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit lockerte die Geschichte auf, was auch gut so war. Nur eine Flucht aus dem Osten in den Westen wäre zu langatmig geworden. Die ständige Angst, geschnappt zu werden, drückt sich sehr gut bei den Charakteren aus und erscheint jederzeit logisch. Das Ende ist anders, als ich erwartet hatte, was aber keineswegs negativ zu bewerten ist. Das einzigartige DDR-Feeling drückt sich in vielen Kleinigkeiten aus – man merkt, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht. Eine Flucht noch im August 1989 aus der DDR bringt einen aus heutiger Sicht natürlich sehr zum Nachdenken. Wenn Hanna und Andreas da gewusst hätten, was sich im November ereignen würde, hätten sie sich die ganzen Strapazen sparen können… Alles in allem ein gutes Buch, das einen auf die andere Seite der Grenze entführt und sich somit 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen verdient hat.


 Die Autorin

Dorit Linke, geboren 1971 in Rostock, wuchs in der DDR auf. Sie machte Abitur, war Leistungssportlerin und Rettungsschwimmerin. Den politischen Wandel Ende der Achtziger erlebte sie bewusst mit, nahm an den Montagsdemonstrationen teil und war achtzehn Jahre alt, als die Mauer fiel. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Jenseits der blauen Grenze ist ihr erster Roman.

ab 15 Jahren
304 Seiten
ISBN 978-3-7348-5602-0
Preis: 16,95 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für dieses Exemplar bedanken!

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