Donnerstag, 25. Juni 2015

Die Seiten der Welt – Nachtland von Kai Meyer




erschienen bei Fischer FJB

Der Klappentext

 Schon seit Wochen roch Furia nach Büchern: Sie war auf dem besten Weg, eine erstklassige Bibliomantin zu werden.

Immer tiefer dringt Furia in die magische Welt der Bücher vor. Das Reich uralter Bibliotheken und phantastischer Geschichten wird von den tyrannischen Drei Häusern regiert. Von einem geheimen Ort aus, dem Sanktuarium, herrschen sie über die Geschicke aller Bibliomanten und Exlibri. Doch Furia und ihre Gefährten leisten Widerstand. Um ihre Welt von den Unterdrückern zu befreien, begeben sie sich auf die gefährliche Suche durch die verborgenen Refugien nach dem Zentrum der Macht – und stoßen auf das größte Geheimnis der Bibliomantik
.

Meine Meinung zum Cover

Das Cover ist in einem sehr ähnlichen Stil gehalten wie Band 1. Hier sind die Farben jedoch Weiß und ein schimmerndes Blau, in dem der Titel, Autorenname und Verlag verewigt wurden. Einzelne Stellen sind sogar leicht vergilbt, was mir gut gefiel. Ohne Schutzumschlag ist das Buch allerdings nicht so ein Hingucker, es ist einfach nur Blau. Der Leser sieht lauter kleine Origamivögel als Motiv, was nicht passender hätte sein können. Die bibliomantische Geschichte besteht aus 4 Teilen, dem Nachspiel und insgesamt 62 Kapiteln.


Charaktere und meine Meinung

Libropolis hat seine Tore wieder geöffnet…

Was habe ich vor diesem Teil gezittert – meine Erwartungen sind nach dem grandiosen Auftakt ins Unermessliche gestiegen. Ich war dem zweiten Teil gegenüber wirklich etwas skeptisch. Doch nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, fühlte ich mich sofort wieder in der bibliomantischen Welt von Furia und ihren Freunden und Feinden wie zu Hause.
Eine Vielzahl an Charakteren dürften aus dem ersten Band schon bekannt sein, neu dabei ist aber z.B. Marduk. Er ist der Unterweltboss des Ghettos und durch und durch böse.
Mit Summerbelle und Cat prallen zwei völlig verschiedene Welten aufeinander, doch beide sind auf ihre Art und Weise sehr liebenswert.
Die Drei Häuser (Haus Cantos, Haus Himmel, Haus Lohenmut) liefern sich einen erbitterten Machtkampf um das Allerheiligste der Adamitischen Akademie – das Sanktuarium. Zu ihrem Vorteil sind bereits zwei Häuser eliminiert worden. Der Leser bekommt einen besonders guten Einblick in das Haus Himmel, das aus der Baronin, ihrem Sohn Friedrich, sowie seinen drei Kindern Rachelle, Veit und Pandora besteht.
Atticus Arbogast ist der ehemalige Lehrmeister von Isis. Auch er ist eher einer von der unangenehmeren Sorte…

Schöne Freunde waren das, die einem beim ersten Verdacht den Rücken kehrten. Die einen für eine Verräterin hielten, nur weil man Dinge für sich behielt, die keinen etwas angingen.
Seite 143

Zum zweiten Mal war ich nicht nur von der Story an sich begeistert (den Klappentext hatte ich vorweg gar nicht gelesen…), sondern vor allem von den vielen liebe- und fantasievollen Kleinigkeiten, die Kai Meyer hier auffährt. Einige Beispiele dafür sind Furias Schnabelbuch, das eine Panikattacke erleidet und deswegen Probleme mit seinem Schließmuskel hat; Bookboards, mit denen sich die Figuren wunderbar durch die Gegend bewegen können (möchte ich auch haben!!!); melancholisches Ungeziefer, Süchtige oder auch die Tintlinge, die auf den ersten Blick doch etwas unheimlich wirkten.
Weiterhin fand ich die Idee der Exlibris unheimlich faszinierend. Auch in diesem Bereich lernt der Leser wieder neue Gestalten kennen.
Die Story startet sofort mit einer sehr spannenden Sequenz, die sechs Monate nach Ende von Teil 1 spielt. Dieses Buch ist gespickt mit Dramatik und spannenden Abschnitten. Doch die Protagonisten müssen auch Verluste einstecken, was mir als Leserin manchmal auch nicht leicht fiel... Es gibt zwischen den Seiten der Welt keine Liebesgeschichte, in die die Protagonistin verwickelt ist. Es läuft eher eine am Rande und Furia ist nur der Zaungast. Dies fand ich mal erfrischend anders und vor allem besonders.
Furia ist eine gute Bibliomantin geworden, aber zum Glück ist sie nicht perfekt und muss daher so manchen Schlag einstecken. Dadurch wirkte sie für mich (wie auch die anderen Figuren) äusserst authentisch.

An einigem mochte sie die Schuld tragen, aber doch nicht an allem.
Seite 159

Mein Fazit

Kai Meyer hat mich mit seinem Mittelband der bibliomantischen Trilogie wieder vollkommen überzeugen können. Seine grenzenlose Fantasie und das Einbringen von vielen Kleinigkeiten machen das Buch für mich jetzt schon zum Highlight 2015! Ich hatte die Chance, die einzelnen Refugien besser kennen zu lernen, eine noch intensivere Beziehung zu den einzelnen Figuren aufbauen zu können und musste einige haarsträubende Überraschungen verdauen. Kai Meyer ist für mich ein Meister seines Fachs und hat ein weiteres Mal sein schreiberisches Talent bewiesen. Die knapp 600 Seiten wurden für mich nicht eine Seite lang langweilig, ich habe jede ganz bewusst gelesen und in mich aufgesogen. Der Autor versteht es, den Leser in seine erschaffene Welt geradezu hinein zu ziehen und nur schwerlich wieder daraus auftauchen zu lassen. „Die Seiten der Welt – Nachtland“ endet zum Glück mit keinem richtig fiesen Cliffhanger, so dass ich die Wartezeit bis zum Finale wohl einigermassen hinter mich bringen kann. Für diesen Mittelband vergebe ich selbstverständlich 5 von 5 schwarzen bibliomantischen Katzen.

„Bücher wird es immer geben. Und Leute, die sie lesen.“
Seite 333


 Die Reihe:

Die Seiten der Welt Rezi
Die Seiten der Welt – Nachtland
Die Seiten der Welt – Teil 3 (erscheint voraussichtlich 2016)


Der Autor

Kai Meyer, geboren 1969, ist einer der wichtigsten deutschen Phantastik-Autoren. Er hat über fünfzig Romane veröffentlicht, Übersetzungen erscheinen in dreißig Sprachen. Seine Geschichten wurden als Film, Hörspiel und Graphic Novel adaptiert und mit Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet.

ab 14 Jahren
592 Seiten
ISBN 978-3-8414-2166-1
Preis: 19,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle geht noch ein herzliches Dankeschön an den Verlag für die freundliche Übersendung dieses Rezensionsexemplars!


Kommentare:

  1. Dankeschön, Claudia! :)
    Liebe Grüße
    Kai

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    1. Ich habe für dieses wunderbare Buch und deine grenzenlose Fantasie zu danken, Kai!

      LG:)

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