Montag, 20. Juni 2016

Bad Family Days – Mein Sommer im Chaos von Silke Schellhammer


erschienen bei Bloomoon

Zum Inhalt

Die vierzehnjährige Penelope kennt kaum mehr Probleme, als ihren ungewöhnlichen Vornamen und das schwere Los der täglichen Kleidungsfrage. Familienleben bedeutet für sie chronisch abwesende Erziehungsberechtigte und einen perfekt durchorganisierten Alltag mit nachsichtigem Personal.Bis ihre Eltern, zwei international anerkannte Archäologen, ein zweijähriges Forschungsprojekt in Jordanien annehmen und Penelope kurzerhand in der Familie ihres Onkels einquartieren. Mit Onkel, Tante und den vier Kindern hat Penelope auf einen Schlag mehr Familie, als sie sich jemals gewünscht hat. Sie fühlt sich allein und missverstanden und ist mit dem quirligen Familienalltag zeitweise überfordert. Durch einen Zufall stößt Penelope auf die Website purerage, eine Site, die zum Widerstand gegen das Schulsystem aufruft. Sie beginnt, mit einem der Artikelschreiber, "Spike", zu chatten. Und plötzlich gibt es jemand in ihrem Leben, der sie versteht wie kein Zweiter. Mit dem sie sich über alles austauschen und ironisch-witzige Schlagabtausche liefern kann. Doch wer verbirgt sich hinter "Spike"? Penelope ist sich von Anfang an sicher, ihn auch im echten Leben zu kennen. Aber dann nimmt alles eine unerwartete Wendung ...
(Quelle: Verlag)

  
Zum Buch

Anhand des Klappentextes habe ich ein lustiges Buch für den anstehenden Sommer erwartet. Erhalten habe ich aber etwas Anderes.
Die Story ist in der ersten Person geschrieben, was ich ja sehr gerne mag, weil es mir hilft, den Figuren näher zu kommen. Hier war es leider nicht so – bis zum Ende habe ich kaum etwas über die schräge Familie in Penelopes Umkreis erfahren, geschweige denn, einen guten Draht zu ihr entwickeln können.
Penelope machte anfangs einen sehr sarkastischen Eindruck auf mich, was super war. Ihre Sprüche waren einfach klasse! Doch dann wirkte sie immer mehr wie eine arrogante Zicke, die mit herablassenden Kommentaren um sich wirft. Der Abschied von ihren Eltern wird gar nicht weiter erwähnt, was mich etwas irritierte. Als sich dann noch umgehend ihre besten Freundinnen von ihr abwenden, konnte ich die Gefühle des jungen Mädchens sehr gut verstehen. Sie fühlt sich von allem Bekannten verlassen und ist unglücklich. Auf solche „beste Freundinnen“ kann man aber getrost verzichten!
Leia empfand ich als sehr anstrengend. Sie ist stets schlecht gelaunt und hat für Penelope oft nur böse Blicke übrig. Trotzdem habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was wohl hinter ihrer Schutzmauer stecken mag. Leider bin ich nach Beenden des Buches diesbezüglich nicht schlauer geworden…
Linus war anfangs eher der unsichtbare Zwilling – er verdrückte sich, wo er konnte. Mit der Zeit zeigte er etwas mehr Präsenz, aber das war es dann auch schon. Eine schwer einzuschätzende Figur.
Der kleine Oskar ist ein typischer Fünfjähriger. Er ist anstrengend, aber auch total süß und zum Knuddeln!
Quentin ist mehr die Marke Rebell, an dem zu Hause kaum ein gutes Haar gelassen wird. Warum dies so ist, wird nicht geklärt. Er hat seine Ecken und Kanten und gefiel mir recht gut.
Der Herr des Hauses Joachim ist ein Grummelkopf, der nur so mit seinem Wissen um sich wirft. Dies war nicht nur für seine Familie unverständlich…
Natty ist die gute Fee des Hauses, tritt aber leider für mich nicht genügend in Erscheinung. Sie hat einfach nicht genug unternommen, um die Wogen etwas zu glätten. Schade.
Die ganze Atmosphäre im Haus ist angespannt, ungemütlich und stellenweise sehr feindselig. Da ist nichts mehr mit entspannter Urlaubsstimmung beim Lesen…

„Ich weiß nicht, wer du bist“, platzte er auch schon heraus.
Seite 177

Silke Schellhammer konnte mich nicht so ganz mit ihrem Buch Bad Family Days – Mein Sommer im Chaos überzeugen. Es liest sich zwar sehr flüssig und die Figuren haben unheimliches Potenzial - es wurde aber leider nicht ausgeschöpft. Sie wirkten allesamt sehr blass und hinterließen keinerlei Eindruck bei mir. Ihre Hintergründe wurden überhaupt nicht aufgeklärt, was ich äußerst schade fand. Die Autorin hat die negative Wirkung des Internets kurz angerissen und machte mich wieder einmal sehr nachdenklich. Man sollte seine Posts in sozialen Netzwerken mit Bedacht veröffentlichen. Der Chat mit Spike wirkte auf mich sehr jugendlich, was der angesprochenen Zielgruppe aber sicherlich gut gefällt. Die Identität des Jungen war für mich nun keine große Überraschung, aber das ist keineswegs negativ zu werten. Bis auf die Tatsache, dass der Leser nicht wirklich viel von den Protagonisten und ihrem Leben erfährt, wurde ich gut unterhalten und hoffe ganz stark auf eine Fortsetzung! Denn ich würde schon noch gerne wissen, wie der Rest des 2-jährigen Aufenthalts von Penelope verläuft. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt :) Ich vergebe 3 von 5 möglichen schwarzen Katzen.



 Zum Autor

Silke Schellhammer, 1967 in Baden Württemberg geboren, lebt und arbeitet in München. Sie unterrichtete nach ihrer Ausbildung und Praxisjahren an diversen Schulen für Physiotherapie und schreibt als freie Autorin für wissenschaftliche Verlage. Doch so spannend Motoneurone auch sein mögen, führen sie meistens ein eher beschauliches Dasein, über das sich nur sehr wenig phantasievolles berichten lässt. Deshalb findet das quirlige Chaos des Alltags seinen Platz in ihren Erzählungen für Kinder und Jugendliche.


© Emma Klenk

ab 12 Jahren
208 Seiten
ISBN 978-3-8458-1312-7
Preis: 12,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag


An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars bedanken!

Kommentare:

  1. Guten Morgen Claudia,

    jetzt hatte ich auch gedacht, dass es sich um ein lustiges, sommerliches Buch handelt. Schade, dass die Figuren nicht alles geben. Wenn Dinge nur angerissen, nicht aber zu Ende gebracht werden, kann das auch meinen Lesespaß beeinflussen.
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Hey, Cindy:)

      Ja, irgendwie wurde man anhand des Klappentextes leicht in die Irre geführt. Ich hoffe wirklich, dass eine Fortsetzung in der Mache ist.

      LG:)

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