Donnerstag, 30. Juni 2016

Wir waren hier von Nana Rademacher


erschienen bei Ravensburger

Zum Inhalt

Berlin im Jahr 2039: Die Stadt liegt in Trümmern, das öffentliche Leben ist längst zusammengebrochen. Für die überlebenden Menschen geht es um die nackte Existenz. Wie den Horror des Alltags, den Kampf gegen Hunger und Kälte überstehen? Mittendrin die 15-jährige Anna, die ihren Weg sucht und für das Leben und die Liebe kämpft – und für eine Welt, in der trotz allem eine Zukunft für sie möglich ist.
(Quelle: Verlag)


Zum Buch

Anna hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Sie lässt sich nicht unterkriegen, versucht das Beste in der gegenwärtigen Situation zu sehen. Sie freut sich über die Kleinigkeit, dass sie endlich wieder auf ihrem Blog schreiben kann. Technisch gesehen war dies einige Zeit nicht möglich. Und so ist auch der erste Teil des Buches: es handelt sich um Blogeinträge des Teenagers über 13 Monate hinweg. Natürlich sehr sporadisch, da sie ja nicht von der Staatsmacht entdeckt werden darf. In diesen Einträgen verarbeitet Anna ihre Gefühle und Gedanken zu der zerstörten Welt, die ihr leider zu Füßen liegt. So lernt sie auch Ben kennen. Dieser Junge war für mich etwas durchscheinend und schwer einzuschätzen.
Durch die Datumsangaben kann sich der Leser sehr gut in das Berlin im Jahre 2039 hineinversetzen. Manchmal herrscht tagelang zwischen den beiden - durch höhere Gewalt - Funkstille.
Es tobt seit mehr als acht Jahren Krieg und Annas Mutter hat sich mit der Zeit immer mehr in sich selbst zurückgezogen. Sie ist für ihre Tochter keinerlei Stütze mehr. Der Vater ist kein Kämpfer und lebt nach der Devise „lieber stillhalten und abwarten“.
Ich hatte eigentlich erwartet, dass es auch keine Militärmacht mehr auf der Welt gibt, aber die Soldaten sind immer noch da. Sie „kümmern sich“ um die Essensrationen, die nicht wirklich satt machen oder verhängen Ausgangssperren. Ein sehr erdrückendes Szenario…

Früher ist tot. Genauso wie morgen schon heute tot ist.
Seite 19

Ging es im ersten Teil relativ ruhig zu, so kommt in Teil 2 wesentlich mehr Bewegung. Teil 1 schildert eher Annas Berichte und Gedanken zu der zerstörten Welt. In Teil 2 jedoch hat sich ihre Situation drastisch geändert, die Blogeinträge sind Geschichte. Ich kann so gar nicht sagen, welcher Teil mir besser gefiel – sie haben jeder für sich etwas Besonderes und wurden nicht langweilig. Auch wenn sich der erste Part etwas mehr in die Länge zog.
Ich habe förmlich an jeder Seite geklebt und war daher sehr erstaunt, als das Ende da war. Denn dies kam mir zu abrupt und fiel für meinen Geschmack zu kurz aus. Ebenso der dritte Buchteil, der mehr offenlässt, als mir lieb war.

Nana Rademacher hat mit Wir waren hier ein sehr beklemmendes und zugleich realistisch wirkendes Buch geschrieben. Wenn man die politische Lage heutzutage in unserer Welt betrachtet, scheint so ein Weltentwurf leider nicht mehr unmöglich… Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Ich war ganz nah an Protagonistin Anna dran und lief mit ihr durch das zerstörte Berlin 2039/2040. So negativ Annas Gedanken und Erlebnisse auch oft waren, blitzte stets ein kleiner Hoffnungsschimmer hervor, der an eine bessere Welt glauben lässt. Für mich ein Buch, das man gelesen haben sollte. Ich vergebe 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


 Zum Autor

Nana Rademacher, geboren 1966, studierte Sozialpädagogik in Bielefeld und arbeitete danach beim NDR in Hamburg als Regieassistentin und Lektorin. Seit 2001 ist sie für den Südwestrundfunk in den Redaktionen Hörspiel, Feuilleton und Musik tätig und lebt derzeit als freie Autorin in Stuttgart.

©Wolfgang Schlabschi


ab 12 Jahren
352 Seiten
ISBN 978-3-473-40139-0
Preis: 14,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars bedanken!


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