Sonntag, 14. August 2016

Ihr letzter Sommer von Anna Snoekstra


erschienen bei Harper Collins

Zum Inhalt

„Mein Name ist Rebecca Winter. Ich wurde entführt.“

Im Sommer 2003 verschwindet die 16-jährige Rebecca Winter spurlos. Elf Jahre später greift die Polizei eine junge Rumtreiberin auf, die behauptet, Rebecca zu sein – und der Gesuchten tatsächlich so täuschend ähnlich sieht, dass deren Familie sie mit offenen Armen aufnimmt. Die vermeintliche verlorene Tochter genießt die ungewohnte Zuwendung und schlüpft mit wachsender Begeisterung in Rebeccas Kleider und Leben. Doch je intensiver sie sich mit ihrer Rolle identifiziert, desto tiefer dringt sie in Rebeccas Gefühlswelt vor. Und kommt der tödlichen Wahrheit um ihr Verschwinden immer näher …
(Quelle: Verlag)

Zum Buch

Der Klappentext und auch die allerersten Seiten des Buches verraten schon eine ganze Menge über einen wesentlichen Bestandteil der Story. Wer sich lieber voll und ganz überraschen lassen möchte, den weise ich an dieser Stelle auf eine gewisse *SPOILERGEFAHR* hin und empfehle, nur mein Fazit zu lesen!


Die Geschichte der jungen Rebecca Winter spielt in Australien und wird kapitelweise aus den Jahren 2003 und 2014 erzählt. Im Jahre 2003 erhält der Leser einen Einblick in eine Woche im Januar in Rebeccas Leben. Dies wird in der 3. Person geschildert. Im Jahre 2014 geht es um das Hier und Heute, erzählt in der ersten Person. Mir gefiel diese Erzählweise sehr gut, konnte ich mir doch in beiden Jahren ein gutes Bild von Rebecca und ihrem Leben machen. Elf Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden des Teenagers taucht nun eine junge Frau von Mitte 20 auf und behauptet, Rebecca zu sein. Der Leser weiß von Anfang an, dass es sich hierbei um eine Hochstaplerin handelt, die sich ins gemachte Nest setzen will. Ihre Unverfrorenheit hat mich so manches Mal schockiert, da sie bei der Familie Winter natürlich ganz neue Hoffnungen geweckt hat. Andererseits ist das Verhalten der jungen Frau auch verständlich, wenn man ihre bisherige Lebensgeschichte kennenlernt. Die heutigen Kapitel zeigen ganz deutlich eine ständige Bedrohung vor dem Entdeckt-werden, die Kapitel aus dem Jahre 2003 einen kurzen, aber prägnanten Einblick in Rebeccas Leben und ihre Gefühlswelt. Das junge Mädchen fühlte sich damals gegenüber ihren Zwillingsbrüdern massiv zurückgesetzt, ihr wurde kaum Aufmerksamkeit seitens ihrer Eltern zuteil. Doch Bec ist keineswegs ein unbeschriebenes Blatt – auch sie hat ihre kleinen Geheimnisse…
Ich war von der ersten Seite an gefesselt und habe dem Ende geradezu entgegengefiebert. Gerade durch diese Erzählweise wird der Leser bei der Stange gehalten und immer neugieriger gemacht. Der Schreibstil der Autorin hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, allerdings sind mir einige Ungereimtheiten aufgefallen, die das Buch dann doch leider nicht in die Bestwertung brachte. Beispielsweise wurde Rebeccas beste Freundin Lizzie bereits Anfang Januar von der Polizei wegen Rebeccas Verschwinden verhört, was nicht passt, wenn Rebecca erst Mitte Januar verschwand. Auch gab es einige kleinere lose Fäden innerhalb der Geschichte, die die Autorin leider nicht alle aufgeklärt hat. Das Verhalten einiger Personen ist eher fragwürdig, es wurden viel zu wenig Fragen gestellt. Hier hätte die Story gut und gerne noch einige weitere Seiten vertragen können.

Mein Fazit

Anna Snoekstra hat mit Ihr letzter Sommer einen tollen und atmosphärisch dichten Psychothriller geschrieben, der mich allein schon durch die besondere Erzählweise fesseln konnte. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, ich hatte von allen ein klares Bild vor Augen. Die Vergangenheit und die Gegenwart sind gleichermaßen spannend beschrieben, einige Logikfehler ließen mich allerdings so manches Mal zurückblättern. Die Auflösung fand ich etwas zu drastisch und abrupt dargestellt, nicht all meine Fragen wurden beantwortet. Vielleicht auch ein ganz klarer Schachzug der australischen Autorin, aber ich hätte mir definitiv mehr gewünscht. So lässt mich das Ende schockiert, aber auch zwiespältig zurück. Ganz knapp an einem Lieblingsbuch-Status und Bestwertung vorbei geschrammt, erhält das Buch von mir 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.



Zum Autor


Anna Snoekstra, Jahrgang 1988, wuchs in Canberra auf und zog mit 18 Jahren nach Melbourne, wo sie Film und Creative Writing studierte. Sie hat mehrere Kurzfilme und Musikvideos gedreht, bevor sie sich ganz aufs Schreiben konzentrierte. Ihre Geschichten sind in zahlreichen Literaturmagazinen erschienen; die Erzählung „Greyfields“ schaffte es auf die Shortlist für den renommierten „Viva La Novella“-Preis 2014. Ihre Lieblingsautoren sind Joyce Carol Oates und Susan E. Hinton, ihr Lieblingszitat stammt von Charles Bukowski: „Finde, was du liebst, und lass es dich töten“.


304 Seiten
übersetzt von Jan Schönherr
ISBN 978-3-9596-7964-0
Preis: 14,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars bedanken!


Kommentare:

  1. Huhu Claudia,

    vom Klappentext her, hört sich das Buch unheimlich interessant an und dass es knapp an einer Bestbewertung vorbeigeschrammt ist, macht natürlich auch direkt neugierig. Was mich ein wenig abschreckt sind die Logikfehler und dass man am Ende noch mit offenen Fragen dran sitzt. Auf jeden Fall bekommt man durch deine Rezension einen guten Einblick, sowohl auf der positiven als auch "negativen" (kritischen) Seite. Macht auf jeden Fall neugierig! =)

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

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    1. Hey, Leni und herzlich willkommen auf meinem Blog! Schön, dass du da bist:)
      Ja, wären diese Kritikpunkte nicht gewesen, wäre es echt für August mein Höhlenbuch geworden. Ich hasse Logikfehler und bin hier immer am Vor- und Zurückblättern gewesen. Aber ansonsten ein echt tolles Buch, das ich trotz allem sehr empfehlen kann!

      LG:)

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  2. Hallo Claudia,

    diese Logikfehler schrecken mich auch eher ab, wobei ich mir noch nicht mal sicher bin, ob ich sie entdeckt hätte. ^^"
    Von der Storyline erinnert mich "Ihr letzter Sommer" sehr stark an "Who I am not"von Ted Staunton. Sehr ähnliche Geschichte von der Idee, nur mit einem männlichen Protagonisten.
    Kennst du das Buch?
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Diese hättest du sicherlich auch entdeckt, Cindy! Ich bekomme auch nicht immer alles mit, aber hier waren sie doch sehr offensichtlich.
      Das Buch kenne ich nicht, habe es schon einige Male gesehen und eben deine Rezi dazu gelesen bei Amazon - man muss sich ja mal schlau machen;) Hört sich wirklich ähnlich an, nur auf der männlichen Ebene. Aber du warst mit dem Ende ja auch nicht ganz zufrieden. Ist auch immer blöd, wenn Fragen offen bleiben...

      LG:)

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