Donnerstag, 1. September 2016

Falsche Schwestern von Cat Clarke


erschienen bei Fischer FJB

Zum Inhalt

Vor 13 Jahren verschwand meine Schwester.
Jetzt ist sie wieder da.
Nichts ist, wie es war.

Faith kennt ihre Schwester Laurel eigentlich nur von einem Foto. Ein lächelndes sechsjähriges Mädchen, das eines Tages spurlos aus dem Garten verschwand. Doch dann, mehr als 13 Jahre später kommt ein Anruf. Eine junge Frau ist aufgetaucht. Und sie hat Laurels Teddy im Arm. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen: Endlich hat Faith ihre große Schwester zurück. Dann aber schlägt ihre Freude um. Irgendetwas fühlt sich verdammt falsch an. In Faith wächst ein schrecklicher Verdacht.
(Quelle: Verlag)


Zum Buch

Gerade vor einiger Zeit habe ich Ihr letzter Sommer gelesen, ein Buch mit derselben Thematik. Logischerweise habe ich nun auch meine Vergleiche gezogen: die beiden Bücher sind sich erschreckend ähnlich und doch wieder ganz unterschiedlich.
Diese Story wird aus der Sicht von Faith in der ersten Person geschildert. So bekommt der Leser die Gefühle des Teenagers hautnah mit. Faith gefiel mir sehr gut und ich konnte mich mit ihr identifizieren. Sie hat gerade ihrer Mutter gegenüber ständig Gewissensbisse – oft nur wegen der banalsten Dinge. Das Mädchen kommt seit dem Verschwinden ihrer Schwester nicht zur Ruhe und führt kein „normales“ Leben. Stattdessen führt sie ein öffentliches Leben, da es ständig neue Zeitungsberichte oder Sendungen im TV zu Laurels Verschwinden gibt. Faith fühlt sich oft zurückgesetzt, unwichtig und unsicher bezüglich ihrer Gefühle ihren Freunden gegenüber. Mir tat sie sehr leid, denn sie ist ebenfalls ein Opfer der vermeintlichen Entführung. So ein tragisches Ereignis wirkt sich schließlich auf jedes verbliebene Familienmitglied aus. Als dann der erlösende Anruf nach 13 Jahren kommt, ist nicht nur Erleichterung bei Faith spürbar. Sie wirkte auch sehr verunsichert, denn ihr Leben verändert sich nun schon wieder. Eine merkliche Distanz ist anfangs zwischen ihr und ihrer Schwester greifbar – so viele Jahre sind schließlich kein Pappenstiel… Aber es ist trotzdem auch eine gewisse Vertrautheit spürbar, so wie es unter Geschwistern sein sollte.

Unter Schwestern sollte es keine Geheimnisse geben.
Seite 192

Laurel wirkte auf mich ungewöhnlich stabil und offen anderen Menschen gegenüber. Man merkt ihr die vergangene Gefangenschaft nur sehr selten an. Ich hatte große Schwierigkeiten, sie richtig einzuschätzen. Es dreht sich immer noch alles nur um sie, eine Menge Interviews werden gegeben und Auftritte in Fernsehshows absolviert. Und fast zu jeder Zeit hatte ich das Gefühl, dass die junge Frau die Aufmerksamkeit regelrecht genießt. Sie war mir stellenweise einfach zu cool.
Dieser neue Alltag der Protagonisten war mit der Zeit etwas ermüdend, da es wenig Neues gab. Die Story zog sich teilweise sehr dahin. Interessant fand ich die Entwicklung und Veränderung der Figuren. Laurels Verhalten wird immer gewagter, Faith vernachlässigt ihre Freunde um nur ja alles bei Laurel richtig zu machen.
Mich machte die Geschichte sehr nachdenklich, da sie durchaus einen realen Hintergrund hat. Es verschwinden tagtäglich so viele Kinder auf der Welt, was wirklich beängstigend ist. Das brachte bei mir die Frage auf, ob wirklich jedes verschwundene/entführte Kind bei der Suche durch die Polizei die gleiche Aufmerksamkeit erhält oder ob es eine Frage der sozialen Schicht und der finanziellen Mittel ist…

Cat Clarke hat mir mit Falsche Schwestern ein Buch zum Nachdenken gegeben. Der Schreibstil gefiel mir gut, ebenso die personale Erzählweise. Ich habe sehr mitgelitten und mich natürlich auch gefreut – eine Entführung kann doch eigentlich nicht besser ausgehen, oder? Der Originaltitel The Lost and the Found gefällt mir noch besser und ist greifbarer als der deutsche. Während des Lesens schwirrte in meinem Kopf ständig die Frage herum, worauf die Story eigentlich hinauslaufen soll. Der Alltag der Protagonisten wirkte auf mich teilweise sehr langatmig und ermüdend. Die Autorin hat mich einerseits ziemlich an der Nase herumgeführt, andererseits war die Geschichte auch vorhersehbar. Doch nicht mit allen Konsequenzen… Am Ende kommt eine erschütternde Wahrheit ans Licht, die ich so niemals vermutet hätte und die mich noch nachhaltig beschäftigt. Ich vergebe 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.

PS: Habt eure Kinder immer gut im Blick und bringt ihnen Verhaltensregeln gegenüber Fremden bei!!!


 Zum Autor

Cat Clarke wurde in Sambia geboren, hat aber den Großteil ihres Lebens in Schottland verbracht. Bevor sie ihren ersten Roman schrieb, arbeitete sie in einem englischen Verlagshaus als Kinderbuchlektorin – spannende YA-Bücher sind ihre Leidenschaft. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in London.

© Caroline Clarke

ab 14 Jahren
400 Seiten
übersetzt von Jenny Merling
ISBN 978-3-8414-0225-7
Preis: 14,99 Euro
Leseprobe

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag


An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars bedanken!

Kommentare:

  1. Ah, du hast es gelesen, Liebes.
    Es gibt keine Action oder Effekthascherei. Meist ist es eher ruhig und dennoch beschäftigt einen die Geschichte.
    Irgendwo hatte ich gelesen, dass gerade der Medien-Aspekt an den Fall Madeleine McCann erinnert. Ich habe es für mich unterm Lesen immer wieder durchgespielt, wie ich mich verhalten/welche Möglichkeiten ich nutzen würde oder eben nicht. Und ganz ehrlich: mein Kopf und mein Mamaherz haben sich geweigert.
    Darf ich deine Rezi in meiner verlinken ?
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Jetzt bringst du mich doch drauf, was ich noch mit reinschreiben wollte: dass es ein relativ ruhiges Buch ist *vor den Kopf schlag* Wenn man sich nicht alles aufschreibt...
      Das stimmt, daher auch der Vergleich mit "Ihr letzter Sommer" - kennst du das? Da gibt´s etwas mehr Action und war auch passend. Doch hier mir hat es mir keineswegs gefehlt.
      Ich hatte darüber zwar nichts gelesen, aber mir kam die Kleine beim Lesen des Buches auch ständig in den Sinn -komisch. Ich glaube, man möchte sich auch lieber auf keinen Fall vorstellen, was wäre wenn oder wie man sich verhalten würde/sollte. Dazu haben meine Nerven auch nicht gereicht. Man sollte wirklich jeden Tag froh und dankbar sein, dass es uns gut geht. Trotzdem darf man natürlich nicht wegschauen. Aber ich mag mir die Nachrichten über verschwundene Kinder auch schon nicht mehr ansehen, seitdem ich meine Kids habe - da rinnen die Tränen ja in Strömen :( Das Ende fand ich echt erschütternd und ich denke immer noch drüber nach.
      Natürlich darfst du, sehr gerne!

      LG und dicke Umarmung:)

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  2. Wow, dass Buch hört sich echt toll an, ich denke ich packe es auf meine WuLi:D Tolle Rezi, obwohl mich das, was du über das Ende geschrieben hast irgendwie erschreckt...
    LG Ally
    http://allysweltderbuecher.blogspot.de/

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    1. Hey, Ally!

      Mach das, es lohnt sich wirklich:) Erschreckend ist es ohne Zweifel, ist ja auch kein Thema, was man mal nebenbei beim Kaffee so einfach abhaken kann.

      LG:)

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  3. Hallo Claudia,

    heute habe ich mich mal ausführlich deinem Blog gewidmet *lach*
    Das Buch habe ich auch schon gelesen und es konnte mich total überzeugen. Für mich war es das erste Cat Clarke Buch.
    Laurel wirkte für mich ein wenig zu "normal" für diese Umstände aber das wurde mir erst im nachinein bewusst.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Ich merk das schon, Vanessa - ich komme mit dem Antworten ja kaum hinterher *grins*
      Ich kannte vorher schon "vergissdeinnicht", was mir aber gar nicht so gut gefiel. Dieses war richtig toll!
      Da gebe ich dir Recht.

      LG:)

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